Sternenwanderer

Rezension: Die Brücke der Vögel – Ein Meister-Li-Roman

Advertisements
Das Cover ist schlicht, aber hübsch.

Es gibt Bücher, die in aller Munde sind, die Bestsellerlisten belegen und als Filme ihren Weg auf die große Leinwand finden. Bekanntheit ist jedoch kein Qualitätsmerkmal. Dazu Goethe:

Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichem Wege.

Auf Empfehlung einer Freundin habe ich den Roman Meister Li die Brücke der Vogel gelesen. Kennt ihr nicht? Warum doch, erfahrt ihr jetzt.

 

Die Brücke der Vögel – Ein Meister-Li-Roman

Autor: Barry Hughart

Seitenzahl: 301

Sprache: Original Englisch, ins Deutsche übersetzt

Preis: auf Amazon oder ebay ab 2,- €

 

Cover und Rückseite

Vorn zu sehen ist ein Fische rau f seinem kleinen Boot, drumherum eni grünes Muster. Schick. Rückseite erklärt, dass es ins alte China geht. Gefällt mir.

Mir sind das 4 von 5 Sterne wert.

 

Geschichte

Nummer Zehn der Ochse lebt in einem Dorf im China der sehr frühen Tang-Ära. Sein Name rührt von seiner Statur. Eines Tags sterben die Seidenraupen, Garant für das Einkommen der Dorfbewohner, und kurz darauf fallen die Kinder in einen dem Tod ähnelnden Schlaf. Nummer Zehn zieht los, um einen Weisen zu finden, der das Rätsel lösen und den Kindern helfen kann. Leider sind die Weisen nicht bereit, für das bisschen Geld der Dorfbewohner zu arbeiten. Der Einzige, der sich der Aufgabe, ist der bei ihrer ersten Begegnung verkatert auf dem Boden liegende Li.

Das erweist sich als Glücksfall, da sich herausstellt, dass die Kinder versehentlich einem Gift zu Opfer fielen. Um das Heilmittel zu bekommen, reisen Nummer Zehn und Meister Li kreuz und quer durch China. Dabei benutzt Meister Li seine listenreiche Schläue, um ihren Widersachern eins auszuwischen. Als möglichst spoilerfreies Beispiel sei folgende Szene genannt:

Im Haus eines reichen Mannes will Meister Li, dass der naive Ochse etwas von seinen Skrupeln verliert. Also gehen sie zusammen in das Schlafzimmer der Konkubine des Herrn, die droht, zu schreien, wenn sie nicht gehen. Li fordert Ochse auf, sich auszuziehen und der Konkubine näher zu kommen. Als gut erzogener Junge würde er natürlich nie einem Alten widersprechen. Als die Frau seinen nackten Körper sieht, flüstert sie ganz leise: „Hilfe.“

Die Hauptgeschichte weitet sich schließlich aus (gemäß dem Goethe-Zitat). Das Schicksal der Kinder verknüpft sich mit dem einer betrogenen Göttin, einem Tyrannen und den vielen kleinen Geschichten der Nebencharaktere. Dabei gilt, dass fast alle bedeutenden Personen später erneut auftauchen, was an eine gute Serie erinnert. Neben der Verzahnung von Haupt- und Nebenplots gefallen mir auch die Wendungen sehr gut. Es gibt immer wieder Überraschungen, die nie aufgesetzt wirken. Das ist hohe Kunst.

Für diese Mühe sind nicht weniger als 5 Sterne angemessen.

 

Figuren, Dialoge und Stil

Nummer Zehn ist ein kräftiger Bursche, ehrlich und aufrichtig. Meister Li dagegen als ehemaliger Berater eines Kaisers bringt eine raffinierte Schläue mit, die ihresgleichen sucht. Wer wissen, wie Geld mit einer Ziege und dem, was ihr hinten rauskommt, zu machen ist, sollte sich die betreffende Szene mehrfach durchlesen. Dabei ist Li niemals fies, sondern nimmt es nur denen, die eh genug haben, und genau wie Ochsen grundsympathisch.

Auch die Nebenfiguren überzeugen. Da ist z.B. ein Geizhals, der sich später zu einem hilfreichen Mitstreiter von Li und Ochse entwickelt – nachdem er sein ganzes Geld einer Frau geschenkt hat. Besagtes Weibsbild spielt denn auch eine entscheidende Rolle, zumal sich Ochse ebenfalls in sie verknallt. Dabei schafft es der Autor, dass die Figuren eine große Tiefe erreichen und gleichzeitig ihre Charakterfehler nicht negativ auffallen, sondern amüsant wirken.

Weder bei den Dialogen noch beim Stil gibt es etwas auszusetzen. Hier flutscht es einfach. In der Übersetzung aus dem Englischen sind mir auch keine Böcke aufgefallen, ich kenne aber das Original nicht. Die Kapitel sind gut eingeteilt und in der Regel in je 15 Minuten gelesen.

Dafür hagelt es erneut 5 Sterne.

 

Welt

Das Ganze spielt wie erwähnt in der frühen Tang-Ära (frühes 7. Jhd. n. Chr.). Allerdings ist es ein um bodenständige Fantasy-Elemente erweitertes Reich der Mitte. So gibt es hier Geister, verrückte Totengräber, die an Leichen Mittel für Wiederauferstehungs-Tränke ausprobieren (erfolglos), Weise, die mit einem Schlag Stürme hervorrufen. Diese Elemente sind sparsam eingesetzt und clever verknüpft mit realer Geschichte. Diese Mischung sagt mir außerordentlich zu. Daran könnten sich meinetwegen viele Autoren ein Beispiel nehmen.

Selbst mit der Lupe finde ich kein Weltdetail, dass mich stört, weshalb wieder 5 von 5 Sterne rausspringen.

 

Fazit

Ich habe bisher wenige Bücher auf diesem hohen Unterhaltungsniveau gelesen. Wer Fantasy mag, wird Meister Li und die Brücke der Vögel lieben. Und wer sie nicht mag, wird das Buch trotzdem mögen.

 

Bei 19 von 20 Sternen eine absolute Kaufempfehlung!

 

Advertisements