Rezenion:Rezension: Exalted 1st Edition Lunars (Englisch)

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Guckt grimmig: Ein Krieger auf dem Cover.

Das RPG Exalted wurde nur mit wenigen Bänden ins Deutsche übersetzt: Grundregelwerk und Zauberbuch. Der Rest, soweit mir bekannt, liegt im englischen Original vor. Einige stellen Regionen vor, andere Fraktionen. Während die Welt an sich und die Hohen der Sonne im Grundregelwerk stehen, haben so z.B. die Hohen des Mondes (Lunars) ein eigenes Buch. Ob sich ein Kauf des Klassikers lohnt, erfahrt ihr in dieser Rezi.

Hinweis: Der Band benötigt das Grundregelwerk zum Spielen. Er ist auf Englisch mit reichhaltigem Vokabelsatz verfasst. Die Verwendung eines Wörterbuchs (oder entsprechender App) ist daher zu empfehlen.

Exalted the Lunars

Seitenzahl: 251, 3-seitiger Index, 1-seitiger Charakterbogen für Lunars

Preis: ab etwa 5 Euro

 

Cover und Illustrationen

Wie schon das Grundregelwerk, bietet auch dieser Ergänzungsband optisch eher mäßige Kost. Auf dem Cover ist ein Lunar abgebildet, in der Hand eine Axt, der nur Fellumhang und Lendenschurz trägt. Dahinter finden sich diverse verwandelte Lunars (mehr dazu später) und ein paar Barbaren. Die Ränder sind in weiß gehalten. Der Teaser auf der Rückseite gibt die Marschrichtung vor: „Als Lunar bist du das tödlichste Raubtier, dass je auf Erden wandelte.“ (Meine freie Übersetzung).

Die Innenillustrationen sind durchgängig schwarzweiß und reichen von eher skizzenhaften Zeichnungen bis ganz netten, aber nicht überragenden Bildern mit Schattierungen. Die meisten passen zum Inhalt, einige sind allgemeiner Natur und austauschbar.

Daher gebe ich hier 3 von 5 Punkten.

 

Formalia und Aufbau

Herausgeber White Wolf brachte das Buch 2002 auf den Markt. Auf der Innenseite zwischen Buchdeckel und erster Seite findet sich eine Weltkarte, die mit verschlungenen, weißen Schriftzeichen versehen ist und sich auf die barbarischen Völker der Welt konzentriert. Zur Einstimmung auf den Inhalt und jedes Kapitels gibt es jeweils Kurzgeschichten, Letztere mit ganzseitigen Bildern unterstützt.

Im Inhaltsverzeichnis stehen zwar die sieben Kapitel, aber keine Unterpunkte. Spätestens bei Nummer 5, dass 78 Seiten umfasst, wird es unübersichtlich. Das die Seiten auch nicht mit kleinen Kästchen markiert sind, sondern nur sich minimal von Kapitel zu Kapitel unterscheidenden Schriftzeichen, macht die Sache nicht besser.

Der Text ist gut formatiert, einige Absätze aber lang geraten. Mehr Unterteilungen hätten hier geholfen. Besondere Aspekte stehen in grauen Kästen.

Wegen der kleinen, sich aber summierenden Unzulänglichkeiten springen 3 von 5 Punkten raus.

 

Inhalte für Spieler und Meister

Jetzt aber zu des Pudels Kern: Es geht um die Lunars. Diese Hohen (englisch Exalted) sind die Erwählten des Monds. Einst dienten sie den Solars (von der Sonne) als Generäle und Spione, bis sie verraten wurden. Jene Lunars, die nicht mit ihren Herren den Tod fanden, flohen in die Bereiche am Rand der Zivilisation. Heute entstammt der Großteil barbarischen Stämmen und verachtet die Zivilisation als Weichspüler für die menschliche Natur. Entsprechend liegt ihr endgültiges Ziel in deren Vernichtung. Städtische Lunars sind eine Minderheit.

Die meisten ihrer Fähigkeiten drehen sich um Gestaltwandlung, vor allem in Tiere und Mischformen wie Werwölfe. Dadurch erhalten sie besondere Eigenschaften, z.B. als Vogel Flügel. Um eine Form anzunehmen, muss das betreffende Wesen getötet und sein Herzblut vom Lunar konsumiert werden. Andere erlauben beispielsweise, den Feind mit dem eigenen Mageninhalt anzuspucken und so zu verletzten. Grundsätzlich sind Lunars Kämpfer, Spione oder Kampfmagier. Für andere Bereiche gibt es kaum Techniken.

Sie tragen Tätowierungen, die Kundigen Auskunft über die Person geben. Gleichzeitig stabilisieren diese die Gestaltwandlung, sodass der Lunar ihr nicht unwillkürlich unterliegt, und schützen sie vor der Wyldnis, wo Dinge gern mal mutieren. Dieser Schutz betrifft nicht den Geist, was sich bei einigen Individuen im Verlust ihres Verstands äußert. Im Zaum gehalten wird die wilde Natur der Gestaltwandler (außer bei den Wahnsinnigen) von ihrem Ehrenkodex. Die Meisten gehören der Gemeinschaft der Lunars an: dem Silver Way. Sie haben einen Rang, der von der Einhaltung des Kodexes abhängt. Dabei sind überraschende Angriffe oder Gifte nicht verboten, aber ein schneller Überraschungsangriff, der einen Gegner demütigt, mag mehr Ansehen verleihen als ein blutiges Gemetzel.

Wegen der engen Verbindung von Mondkindern, Barbaren und Wyldnis werden auch die Letzteren beschrieben. Die Barbaren verehren die Lunars, die aufgrund ihrer Stärke meist Häuptlinge werden. Die verschiedenen Stämme werden eher oberflächlich abgehandelt, was allerdings kreative Freiräume lässt. Die Wyldnis bekommt Regeln, nach denen z.B. die Stärke des Phänomens variiert. Je stärker es ist, desto schneller gehen Sterbliche hopps oder erhalten Mutationen. Diese können vorteilhafter Natur sein – z.B. Boni durch Riesenwuchs oder ein Feueratem – oder Nachteile wie abstoßende Hässlichkeit. Und selbst Hohe halten es in tiefster Wyldnis nicht lange aus.

Bei den übernatürlichen Charismen zeigt sich ein gewisses Problem der Lunars: Sie zahlen mehr für jede Einzelne als Solars. Voraussetzung ist ein Mindestwert in einem Attribut. Wenn das Charisma zur Kaste passt, ist es billiger zu haben. Leider mischen die verschiedenen Talentbäume fröhlich die Zugehörigkeiten zu Kasten, was gezielte Spezialisierung erschwert. Meine Empfehlung: Hausregeln einsetzen. Zudem sind die Talentbäume allgemeinen Kategorien wie Melee (Nahkampf) zueordnet. Da gerade die Kampf-Talentbäume mehrere Unterbäume besitzen, die nicht mit Stichworten überschrieben sind, wird es wiedermal unübersichtlich. Hier hilft der Index, der jedes Charisma auflistet.

Wegen der etwas verkorsten Aufteilung vergebe ich wieder nur 3 der 5 Punkte.

 

Für den Spielleiter

Das abschließende Kapitel gibt dem Spielleiter einige Tipps zum Umgang mit Lunars an die Hand. Da sie so kampfbezogen sind, rät es, das Spiel nicht zum Dauerkampf verkommen zu lassen. Werden die Charaktere mächtige Anführer ganzer Stammesgemeinschaften, sollte u.U. mit einer Truppe frischer Jungspunde weitergespielt werden. Die Alten kommen dann nur noch alle paar Wochen dran – als Auftraggeber der Jungspunde. Eine ziemlich coole Idee. Generelle Plotideen (wie böse Feen entführen Angehörige der Charaktere) und Tipps zum Zusammenspiel mit anderen Hohen runden das Kapitel ab.

Diese Ideen gefallen mir gut und ergeben auch Sinn. Allerdings besteht meine Exalted-Runde weder lange genug, noch haben wir mehr als einen sporadisch auftauchenden Lunar, als dass ich ihre Umsetzung in der Praxis erlebt hätte. Darüber hinaus fehlen irgendwie Anmerkungen, was wahrscheinlich notwendig ist, damit die Lunars die Zivilisation endgültig vernichten können.

Daher lasse ich 4 von 5 Punkten springen.

 

Fazit

Wie lässt sich meine Einschätzung zusammenfassen? Der Hintergrund ist schön geschrieben, engt die Lunars allerdings ein, wenn nicht gerade eine Ausnahmegruppe zum Zug kommt. Optik und Regeln verwehren endgültig höhere Wertungshöhen. Trotzdem wäre es unfair, das Buch als Totalreinfall abzutun. Mit etwas flexibler Auslegung lässt sich einiges rausholen.

Insgesamt erstreiten sich die Krieger des Mondes 13 von 20 Punkten.

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