Rezension: Das Herz von Veridon

Es gibt in der Fantasy mehr als idyllische Hügellandschaften voller Hobbits und Ödnisse des Bösen. Das Untergenre des Steampunks ist alt – denkt nur an Jules Verne. Um meine bisherige Vernachlässigung dieser Richtung etwas aufzuholen, habe ich in meiner Stadtbib ein entsprechendes Buch rausgefischt und gelesen: „Das Herz von Veridon.“ Wie es mir gefallen hat, lest ihr hier.

Tim Akers: Das Herz von Veridon

Seitenzahl: 352

Sprache: Original Englisch, ins Deutsche übersetzt

Preis: eBook ab 11,99 €, gedruckt 12,99 €

 

Geschichte

Jacob Burn ist ein gescheiterter Pilot, der sein Geld mit Aufträgen wie Drogenübergabe für einen Gangsterboss verdient. Eines Tages, als er auf einem Luftschiff zurück in seine Heimatstadt Veridon reist, trifft er einen alten Bekannten. Von diesem erhält er ein besonderes Mechagen (Erklärung unten bei Welt). Dieses Wunderding wollen ihm fortan allerlei Mächte abnehmen, darunter Vertreter des Stadtrats und eine Art Engel. Dabei stößt er in einige Geheimnisse seiner Heimatstadt vor und entdeckt schließlich, dass es letztendlich um deren Existenz geht.

Die Geschichte wird gut erzählt, und es gibt einige Überraschungen und Wendungen. Als großer Schwachpunkt zeigt sich Jacobs Geschick, selbst großen Übermachten zu entkommen – obwohl er außer verdammt guter Heilung keine besonderen Kräfte besitzt. Tatsächlich besteht gefühlt die Hälfte des Buchs aus Fluchten vor irgendwelchen Angreifern. Bei der Buchlänge wiederholt sich das Spielchen zu oft. Da wirkt es umso erstaunlicher, wenn er doch mal gefangen wird.

Wegen der sich wiederholenden Fluchten vergebe ich 3 von 5 Sterne.

 

Figuren, Dialoge und Stil

Jacob ist ein entschlossener Typ, der auch mal volles Pfund aufs Maul gibt und keine Probleme hat, Leute zu erschießen. Trotzdem ist er kein skrupelloser Killer, sondern schlicht auf sein eigenes Überleben bedacht. Hilfe beim Überlebenskampf erhält er dabei von seiner Kontaktfrau Emily, die gleichzeitig als Prostituierte arbeitet – warum auch immer sie sich das als Kontaktfrau antut – und einem Techniker des Spinnenmenschenvolks, der mühelos an Wänden entlang kraxelt. Zu seinen Gegenspielern gehört ein offenbar ehemaliger Oberst, der bei einer Verfilmung des Stoffs treffend von Malcolm McDowell zu verkörpern wäre. Leider bleibt dieser Mistkerl recht blass, es wird wenig über ihn bekannt. Bei den andern Charakteren ist die Ausarbeitung besser gelungen. Allerdings sind darunter keine Ikonen, die unvergesslich bleiben.

Die Dialoge sind okay. Auch hier fehlt aber irgendwie die Zeile, die im Gedächtnis haftet. Es bleibt beim gehobenen Mittelmaß. Selbiges gilt für den Stil. Die Zeilen lassen sich leicht lesen, aber der eine, geniale Einfall fehlt. Zudem sind die ersten Kapitel deutlich länger, was es erschwert, sie auf einer halbstündigen Zugfahrt zu schaffen. Bei der Übersetzung aus dem englischen Original sind mir nur wenige Schnitzer wie „Kurzgewehr“ (vermutlich für Pumpgun) aufgefallen.

Dafür hagelt es 3 Sterne.

 

Welt

In Veridon, dass nicht zufällig Parallelen zum viktorianischen London aufweist, fischen die Priester der Maschinisten Artefakte aus dem Fluss. Daraus konnten sie einiges an Wissen gewinnen, was zur Entwicklung sogenannter Mechagene führte. Mit denen können Menschen Implantate eingesetzt werden, um z.B. geistig mit Maschinen zu verschmelzen. Dadurch lassen sich allerlei Steampunk-Elemente wie pferdelose Kutschen oder Luftschiffe realisieren. Am Rande angerissen wird die Welt außerhalb der großen Stadt, z.B. die Sehenswürdigkeiten, die das Luftschiff zu Beginn auf seiner Kreuzfahrt überfliegt. Wie es dabei möglich bleibt, dass der Allgemeinheit die Herkunft der Artefakte unbekannt ist, muss wohl am Einfluss der Maschinisten-Kirche liegen. Die verbietet sicher eine groß angelegte Erkundung des Fluss-Oberlaufs.

Abgesehen vom wie überrascht Veridon allerdings nicht damit, was mit der Technik realisiert wird. Da hätte ich mir mehr eigene Ideen gewünscht.

Trotzdem finde ich die Ansätze gut und lasse 4 Sterne rüber wachsen.

 

Fazit

Was halte ich von dem Buch? Es liest sich ganz flüssig und setzt die Anforderungen an das Subgenre gut um. Es fehlt jedoch das Besondere, die Prise Salz in der Suppe oder Oregano auf der Pizza, die aus einem guten ein sehr gutes Gericht werden lassen. So besteht kein zwanghaftes Verlangen, weiteres vom Autor zu lesen – allerdings auch keine Abscheu.

Am Ende bleiben 10 von 15 Sterne.

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