Sternenwanderer

Filmkritik: „Der Hobbit: Smaugs Einöde“

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Filmplakat.

Wenn Hollywood seine Marketing-Maschine anwirft, wird schon mal jeder überteuerte, 80/15-Quatsch als „Film des Jahres“ tituliert. Nur wenige dieser Streifen erfüllen die selbst aufgeworfenen Ansprüche. Ob der zweite Teil der Verfilmung des Klassikers „Der kleine Hobbit“ dies schafft?

Geschichte

Der erste Teil endete etwa nach der Hälfte des Buches: Die „kleine“ Reisegemeinschaft hat es über das Nebelgebirge geschafft. Der Erebor ist in weiter Ferne schon zu erahnen. Vorher muss die Gruppe allerdings noch durch den Düsterwald. Von hier an Spoilerwarnung!

 

Dabei trifft sie zunächst auf Beorn, einen „Hautwandler“, der sich manchmal in einen monströsen Bären verwandelt. Er versorgt die Gruppe mit frischen Pferden, die sie zum Rand des Waldes bringen, damit die Zwerge dem Ork Azog entkommen. Dort angekommen, trennt sich Gandalf von ihnen. Im Düsterwald haben die Zwerge Schwierigkeiten, den Weg auszumachen, da kaum ein Lichtstrahl bis zum Boden dringt. Verwirrt vom ewigen Zwielicht, stolpern sie über eine Horde etwa pferdgroßer Spinnen, werden aber von Bilbo dank seines Zauberrings gerettet. Allerdings nehmen sie die Waldelben gefangen. Aus deren Kerker entkommen sie ebenfalls nur dank Bilbos Hilfe: verpackt in einem Dutzend Fässern, schwimmen sie den Fluss des Düsterwalds hinab.

Der Fluss mündet in den Langen See, wo Seestadt liegt. Dort können die Zwerge neue Ausrüstung klarmachen – die Elben haben ihre Alte an sich genommen – und endlich die letzte Etappe zum Berg zurücklegen. Dank seines Schlüssels (den die Elben offenbar übersehen haben) öffnet Thorin die Geheimtür. Durch diese gelangt Bilbo ins Innere. Dort trifft er den Drachen Smaug. Um das Biest zu besiegen, liefern sich die Zwerge mit ihm ein Wettrennen zu den monströsen Hochöfen der Stadt. Leider erweist sich ihr Plan, Smaug mit einer sofort in flüssiges Gold zerfließenden Riesenstatue zu ertränken, als unzureichend. Der Drache fliegt davon und will Seestadt zerstören, da er dort die Drahtzieher vermutet.

Wie beim ersten Teil, hält sich Peter Jackson auch diesmal wieder recht eng ans Buch. Um das Ganze auf drei Teile zu dehnen, wurden allerdings neue Parts hinzu gedichtet. Z.B. wird erläutert, wie sich Gandalf mit dem Nekromanten von Dol Guldur anlegt – was so endet wie sein erster Kampf gegen Saruman. Die Verfolgung der Zwerge durch Orks und die Anwesenheit von Legolas und der Elbin Tauriel zählen dagegen zu den frei erfundenen Details.

Tatsächlich kommt der Aspekt des Reisens weniger zum Tragen als im Buch. Dafür gibt es mehr Kämpfe. Sogar sehr viele, die auch ohne Blut recht brutal sind. Zudem werden gewisse kulturelle Details gerade mal angerissen. Statt die neue, weibliche Elbin nur über ein Fest reden zu lassen, wäre hier eine Szene, die Spitzohren beim Feiern zeigt, anschaulicher gewesen. Warum haben die Menschen in Seestadt etwas gegen ihren Bürgermeister? Und seid wann gibt es in Mittelerde Wahlen? Dadurch ähnelt Teil 2 eher der Klopperei Dreihundert als einem Reisebericht – sprich: einer Comicverfilmung. Dafür spricht auch, wie sich Legolas und Tauriel nahezu mühelos durch Reihen von Orks metzeln. Der Elbenprinz dürfte damit auf einen ähnlich hohen Bobycount kommen wie seinerzeit Rambo. Das mystische Entdecken, das Gefühl, hinter der nächsten Ecke läge ein Geheimnis, bleibt dabei aus. Ich kann noch damit leben.

Was mich allerdings stört, ist das Ende, welches so ganz in der Luft hängt. Smaug stürzt sich nicht etwa auf die Zwerge, die vor seiner Schnauze stehen und eben versuchten, ihn zu ertränken. Sondern fliegt einfach nach Seestadt. Im Buch gab es dafür irgendwie eine bessere Erklärung.

Dafür gebe ich 3 von 5 Sterne.

 

Audiovisuelle Details

Die Tricktechnik ist über jeden Zweifel erhaben. Spinnen-Phobiker dürften allerdings an gewissen Szenen keinen Spaß haben. Die Animationen wurden gegenüber der Herr-der-Ringe-Trilogie nochmal aufgewertet, das Zusammenspiel mit den Schauspielern funktioniert tadellos. So rutscht Legolas jetzt auch auf Tieren, um im nächsten Augenblick mit gespanntem Bogen vor Thorin zu stehen. Die Einstellungen unterstützen die Arbeit perfekt. Auch der Sound und die Musik sind sehr gut. Ob 3D jetzt sein Geld wert ist, wenn zwischendurch mal ein paar Schmetterlinge durch den Zuschauerraum zu fliegen scheinen, sei allerdings gestellt.

So ergattert der Film verdiente 5 von 5 auf Hochglanz polierte Sterne.

 

Figuren

Bilbo ist inzwischen viel unerschrockener geworden, aber immer noch unerfahren. Bei 13 Zwergen fällt es schwer, jedem Platz für die Darstellung seines Charakters zu geben. Der Film versucht dies. Trotzdem gelingt es nur teilweise, dass sich jeder Zwergenname mit Gesicht ins Gedächtnis einbrennt. Zu den Ausnahmen zählen Thorin, der sein Erbe zurückfordert, und Kilin. Dieser verliebt sich in die neue Elbin Tauriel, die zusammen mit Legolas nicht im Buch vorkommt. Auch die andern Figuren können ihre Eigenarten bestenfalls anspielen – wie der Elbenkönig oder eben Tauriel. Das ist schade.

Wegen der mangelnden Zeit, die Figuren lieb zu gewinnen, gibt es abermals nur 3 Sterne.

 

Schauplätze

Schön umgesetzt sind die verschiedenen Handlungsorte. Der Düsterwald sieht so finster aus, wie im Buch, die Hallen des Elbenkönigs wirken mit den gewundenen Gängen sehr organisch und lichtdurchflutet. Seestadt orientiert sich an einer niederländischen oder hanseatischen Metropole. Und der Einsame Berg fällt mit riesigen Zwergenstatuen außen und gewaltigen Hallen innen äußerst imposant, aber düster aus. Viel mehr als gut auszusehen und durchreist zu werden leisten die Schauplätze allerdings nicht.

Deswegen bleiben 4 Sterne.

 

Fazit

Was halte ich jetzt vom 2. Hobbit-Film? Er ist ein trickreicher Effektreigen. Angesichts der schnellen Abhandlung von Handlungsorten und Nebenfiguren, der zwar unblutigen, aber brutalen Kämpfe und einiger Handlungsänderungen ist er für Fans des Buches jedoch nur bedingt geeignet. Wer weder das Buch lieb/kennt, noch die Herr-der-Ringe-Trilogie mochte, wird mit diesem Blockbuster nichts anfangen können.

Mit letztlich 15 von 20 Sternen kein schlechter Film, der aber etwas hinter den Möglichkeiten einer Verfilmung zurück bleibt.

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