Sternenwanderer

Buchkampf: Myranische Monstren vs. Codex Monstrorum

Advertisements

Gelegentlich gibt es schon im eigenen Lager Konkurrenz. Bei DSA ist Myranor das weniger festgezurrte Gegenstück zu Aventurien, bevölkert von Katzenmenschen, Geflügelten und jeder Menge Monster. Inzwischen gibt es gleich zwei Monsterbücher für den Westen: Den „Codex Monstrorum“ und die „Myranischen Monstren“. Wie sich die beiden im direkten Schlagabtausch halten und für wen sich was lohnt, klärt diese Rezension. Also: Ring frei!

Cover und Illustrationen

Drei Monster im Kampf .

Den Codex zieren drei Viecher, von denen zwei erst mit dem Band eingeführt wurden: Stelzspinne und Cerepropoden. Den Hankro gab’s schon. Die Farben sind dezent gehalten, erinnern an Sepia auf alten Fotos. Dazu passen das myransiche Gelb im Hintergrund und die schwarzen (Foto-)Ecken an den Rändern. Dieses Prinzip bleibt innen erhalten, wenn auch in schwarzweiß. Warum sich eine Stelzspinne und Hankro miteinander anlegen, sei mal dahin gestellt.

Die Monstren hingegen zeigen den Übergriff einiger Khemosi auf eine Karawane mit Hurdas. Neben einem Menschen sind im Hintergrund ein Minotaure und Amaunir zu sehen. Letzterer hat rote Hände, zaubert also. Das er offenbar drei Augen (oder eine Triopta) hat, dürfte manchem Optimaten nicht schmecken. Auf dem Rückcover sehen wir ein Bild der Stelzspinne, dass sich von jenem im Codex (nicht auf dem Cover) nur durch seine Farblichkeit unterscheidet. Im Innern sehen wir Farbbilder bei den ungewöhnlicheren Monstren. Die Standardkost muss mit einer Text-Erwähnung leben.

Was gefällt mir besser? Die Monstren. Zum Einen ist bunt einfach hübscher. Zum Andern sind im Codex die Innenbilder mit teils sehr dunklen Hintergründen unterlegt, die manche Details verschlucken.

 

Einzelwertungen:

CM 4/5 – MM 5/5

CM: MM: 0:1

 

Formalia und Aufbau

2008 erschien der Codex mit 160 Seiten und einem guten Inhaltsverzeichnis, aber ohne Index. Damals war Myranor zwar vor dem vorzeitigen Aus gerettet, aber noch nicht klar, wohin die Reise geht. So lässt sich erklären, warum sich die Autoren zu einem Experiment entschieden: Einem Tagebuch, in dem ein optimatischer Jäger Monstern nachspürt – fast wie der verstorbene Steve Irwin (Link), nur nicht so selbstmörderisch. Deswegen auch die oben erwähnte Aufmachung eines Fotobuchs. Wir haben es folglich mit einem Vertreter der optionalen, braunen Reihe zu tun.

Dabei werden die Ingame-Texte durch Offgame-Erläuterungen ergänzt. Im Anhang finden

Khemosi überfallen eine Karawane.

sich die Werte der Monster, dazu zu jedem Ideen, wie sich im Spiel ein Abenteuer darum stricken lässt. Diese Vorschläge bilden auch die Grundlagen der „Tagebuch-Einträge“. Ohne Kenntnis von Letzteren sind die Ideen unverständlich. Empfohlen wird von mir daher chronologisches Lesen von vorn nach hinten, nicht eben mal hier und mal da. Die Vorschläge laufen fast immer auf Flucht oder Kampf aus. Einfangen, Auftraggeber, Verklaver oder andere Ideen sind viel zu selten. Damit wird Potenzial verschenkt. Erschwerend beim Aufschlagen stellt sich die Eigenschaft der Seiten heraus, wieder zusammen zu klappen.

Zudem sind keine Viecher enthalten, die einfach tägliches Jagdwild oder schlichtes Nutztier darstellen. Wir sehen einzelne Wesen, ohne einen Überblick des Ganzen. Da sie zwar im Anhang mit Werten alphabetisch, im Tagebuch-Teil aber nach ihrer Begegnung mit dem Jäger erscheinen, ist das Inhaltsverzeichnis zum Nachschlagen unerlässlich.

Die Monsten aus 2012 dagegen erreichen 220 Seiten, inklusive Inhaltsverzeichnis und Index. Hier ist ein Gegenstück zur aventurischen Zoo Botanica (ZBA) entstanden, der einen viel tieferen Einblick in die Fauna (ohne Flora) gibt. Dabei werden zunächst Regelergänzungen beschrieben. Darauf folgen Übersichten der verschiedenen Lebensräume. Dazu zählen Steppen, Wüsten und – es gibt schließlich auch Mittel zum Fliegen – der Luftraum. Hier finden sich besondere Viecher, u.a. Mammuts, Dschungeltiger und Harpyien mit eigenen Wertekästen, aber nur ein oder zwei Sätzen im Text. Kleine Viecher wie Hasen werden kurz erwähnt und kriegen einen Einzelner in der Tabelle mit Opfern der nächsten Jagdprobe. Eine Übersicht führt die Seitenzahlen von ausführlicher im Innenteil vorgestellten Viechern mit je 1 bis 2 Seiten vor. Diese Idee gefällt mir gut, hält sich der Text damit eben nicht mit Alltagsviechern auf, ohne diese zu ignorieren. Und in der ZBA finden sich für diese zur Not Beschreibungen. Ohne fehlen unter Umständen einige Infos.

Es gibt einige Überschneidungen, allerdings bleibt eine gute Handvoll Viecher exklusiv im Codex. Es lässt sich aber auch ganz gut ohne sie leben.

Ich finde die Monstren hier eindeutig im Vorteil, da der Codex zwar schöne Bestien, jedoch wenig Ideen für den kreativen Umgang mit diesen mitbringt.

CM 3/5 – MM 4/5

0:2

 

Regeln

Der Codex enthält keine Ausführungen dieser Art. Wer die ZBA nicht kennt oder zur Hand hat, sollte die dortigen Angaben zu einem bestimmten Vieh vorher nachschlagen, sonst fehlt was. Die Monstren halten sich weitgehend an die ZBA, ergänzen jedoch einige Besonderheiten. So sind manche Viecher Heißblüter. Bei Wunden spritzt ihr Blut im Nahkampf heraus und verursacht bei allen Wesen in Nahkampfreichweite Schaden. Auch zur Ausbildung von Tieren findet sich ein Kapitel. Dies erspart Blättern in der ZBA. Dafür fehlt der ausführliche Teil zu Pferden. Macht aber nichts. Sonst hätte noch zu jedem möglichen Reittier ein eigenes Kapitel dazu gemusst. Der Umfang wäre damit gesprengt worden.

Wieder setzen die Monstren sich gegenüber dem Codex durch.

CM 3/5 – MM 5/5

0:3

 

Ideen und Querverbindungen mit Aventurien

Wie gesagt beinhaltet der Codex kein Kleinvieh – vom tödlichen Albschmeichler mal abgesehen. Unter seinen Viechern finden sich schiffsgroße Haie, sechsarmige, schlangenleibige Tempelwächter, mietshausgroße (!) Riesendrachen, aber auch geflügelte Hirsche, laufende Sessel – als Tiere, keine Artefakte – und Hund-Kobra-Chimären. Dazu gesellen sich einige altbekannte Gesellen wie Himmelsdrachen oder Riesenrenoster. Damit decken sie eine große Bandbreite ab. Querverbindungen nach Aventurien gibt es keine.

Die Monstren haben die meisten Viecher des Codex integriert. Daneben bringe sie neue mit wie den Shardorus-Bär – ein 8 Meter riesiges Ungetüm – oder die fleischfressende Honig(fliegen-)falle. Zudem bekamen die Wesen, die in Myranor und Aventurien leben, hier eigene Einträge. So entfällt das Geblätter in zwei Büchern, wenn Riesenbär und Purpurwurm zusammen den Helden das Leben schwer machen sollen. Damit wird Myranor wieder ein Stück in die Welt Dere integriert.

Schade finde ich den weitgehenden Mangel von Pflanzen. Keine Gift- oder Heilpflanzen, nur fleischfressendes Grünzeug. Da bedarf es beizeiten einer Ergänzung.

hier sehe ich beide Bücher gleichauf.

CM 4/5 – MM 4/5

1:4

 

Fazit

Die Wertung spricht eindeutig für die Monstren. Aber ist damit schon alles gesagt? Der Codex stellt kein schlechtes Buch dar, er enthält einige Ideen und Anregungen. Letztere sind jedoch zu abwechslungsarm. Die Monstren dagegen bilden die Tierwelt Myranors viel breiter ab, geben Übersichten zu verschiedenen Lebensräumen und auch Werte für gewöhnliches Jagdwild. Für einen möglichst vielfältigen Einsatz sind sie damit besser geeignet. Wer nach Anregungen zum Einsatz der Tierwelt sucht und schon NPC-Bände wie Granden, Gaukler und Gelehrte im Regal stehen hat, darf trotzdem einen Blick in den Codex werfen.

Am Ende bleibt ein End-Punktestand von 1:4.

Advertisements