Rezension: Meister Li und der Stein des Himmels

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Es geht wieder ins alte China – wie das Cover verrät.

Nach meiner Rezension zum ersten Roman der kleinen Reihe um den altchinesischen Meister geht es jetzt mit Nummer 2 weiter.

 

Meister Li und der Stein des Himmels

Autor: Barry Hughart

Seitenzahl: 327

Preis: ab 1,- Euro im Netz zu finden

Cover und Rückseite

In meiner Auflage ziert die Verbotene Stadt im Licht der aufgehenden (oder untergehenden) Sonne. Das Motiv sieht schick aus, hat mit der Handlung allerdings nichts zu tun. Weder besuchen die Protagonisten den Palast, noch existierte dieser zur Zeit des Romans (Anfang 7. Jhd. n. Chr.). Darunter ist ein stilisierter Drache zu sehen. Der Rückentext fasst die Geschehnisse zusammen, ohne das Ergebnis zu spoilern.

Ich vergebe 4 von 5 Sterne.

 

Geschichte

Nummer Zehn der Ochse ist mittlerweile Assistent des alt-ehrwürdigen (oder zumindest -gerissenen) Meisters Li. Da taucht eines Tags der Abt eines Klosters aus dem Tal der Seufzer auf und bittet um Hilfe: Ein Mönch wurde ermordet, in die Bibliothek eingebrochen und einer Wiese das Leben entzogen. Li und Ochse reisen in das Tal, wo sie auf die Legende vom Lachenden Prinzen stoßen. Dieser Bruder von Kaiser Wu-ti (moderne Umschrift Wudi) ließ das Tal einst mit zahllosen Minenschächten untertunneln, um Erz abzubauen. Gleichzeitig führte er schreckliche Experimente an den Bewohnern durch, um dem Geheimnis der Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen. Dabei spielt ein übernatürlich schöner Ton eine wichtige Rolle.

Um das Geheimnis zu lösen, schließt sich den Beiden die Prostituierte Klagende Morgendämmerung an. Mit ihr reisen sie zu einem mächtigen König, an dessen Hof sich der Meistermusikant Mondkind aufhält. Mit seiner Hilfe wollen sie das Rätsel lösen. Im weiteren Verlauf verschlägt es die Truppe sogar in die chinesischen Höllen, wo sie allerlei Gefahren erwarten. Der namensgebende Stein ist natürlich ebenfalls Teil der Geschichte.

Die Geschichte ist nie langweilig, wendungsreich und spannend. Gegenüber der Brücke der Vögel fällt sie jedoch etwas zurück. Zum Einen wiederholen sich gewisse Muster der Erzählung. Zum Andern sind der Plot nicht so klar und das Finale nicht ganz so großartig. Dennoch handelt es sich um einen sehr guten Roman.

Dafür gibt es abermals 4 von 5 Sterne.

 

Figuren, Dialoge und Stil

Meister Li ist weiterhin der weise, aber auch gerissene Gelehrte mit „kleinem Charakterfehler“. Nummer Zehn bildet seinen einfachen, kräftigen Gegenpart. Zu den neuen Charakteren zählt Klagende Morgendämmerung. Sie versteht sich nicht nur auf die Liebeskünste, sondern auch das Bogenschießen. Ihr Geliebter Mondkind hat eine homosexuelle Ader, die sich nicht auf Volljährige beschränkt. Ich denke aber, dass diese Verbindung nicht abwertend gegenüber Homosexuellen zu verstehen ist, sondern die Knabenliebe eher die Verderbtheit des Musikers widerspiegelt. Wer sonst würde mit einem Teufel hinter den nächsten Busch gehen, um ihr-wisst-schon-was zu treiben? Außerdem kann er alle möglichen Geräusche mit seiner Stimme hervorbringen – so wie Michael Winslow aus den Police-Academy-Filmen. Die Figuren mit ihren Eigenarten sind sympathisch. Und allemal glaubwürdiger als viele glatt gebügelte Charaktere aus Hollywood.

Dem Stil der Serie gemäß werden auch eher negative Eigenschaften nicht verurteilt. Nur das grundlose Quälen und Töten von Menschen wird abgelehnt. Auf diese Eigenart muss sich der Leser einlassen. Ich habe damit kein Problem. Die Dialoge sind gut, nie zu lang oder knapp und verständlich. Das gilt auch für den Stil, der sich nie in Details oder Nebensächlichkeiten verliert, gleichzeitig aber stets plastisch ein Bild der Umgebung und Situation zeichnet. Die Kapitellängen schwanken etwas, somit auch die Lesezeit. Wer auf dem Arbeitsweg liest, sollte dies berücksichtigen. (Ich höre ungern mitten in einem Kapitel mit dem Lesen auf.)

Wegen kleiner Schwächen bleiben erneut 4 von 5 Sterne.

 

Welt

Zwar dient das historische China der frühen Tang-Zeit als Vorbild, doch erweitert Mr. Hughart dieses um übernatürliche Elemente. So gibt es wandelnde Untote, die Höllen voller Teufel und Melodien, die Menschen kontrollieren. Diese Elemente finden bedachten Einsatz. Wir sehen also keine inflationäre Untotenarmee oder Zauberer, die mit Blitzen um sich schleudern. Dieser Stil gefällt mir nach wie vor. Es muss allerdings klar sein, dass dieses China eine höfliche Persiflage darstellt. Sie ist nicht bierernst zu sehen.

Barry Hughart gewann während seiner Dienstzeit für die U.S. Air Force zahlreiche Eindrücke über die chinesische Kultur. Dieses Wissen ist seinen Romanen anzumerken. So beispielsweise die Tatsache, dass Quecksilber in alter Zeit eine Wirkung als eine Art Unsterblichkeits-Mittel zugeschrieben wurde. Oder das Polo zur Tang-Zeit nach China kam.

Für diese Mischung sind 5 Sterne vollkommen verdient.

 

Fazit

Nicht ganz so stark wie die Brücke der Vögel, stellt die Geschichte um den Himmelstein immer noch ein hervorragendes Taschenbuch dar. Wer sich auch nur etwas für den fernen Osten interessiert, sollte zugreifen. Und alle Andern dürfen gern einen Blick riskieren.

Am Ende stehen 17 von 20 Sterne.

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