Sternenwanderer

Rezension: Splittermond – Die Arwinger Mark

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Ursprünglich geplant als Teil des Grundregelwerks (GRW), der eine Einstiegsregion detaillierter beschreibt, wurde der Landstrich schließlich als eigenständiges Buch veröffentlicht. Außer in gedruckter Form ist es auch als kostenloses pdf zu beziehen. Ob sich die Lektüre lohnt, erfahrt ihr jetzt.

Die Arwinger Mark – Im Schatten des Kynhold

Autoren: Tom Finn, Tobias Hammelmann und weitere

Umfang: 56 Seiten

Preis: pdf umsonst, gedruckt neu 14,95 Euro

Cover und Illus

Den Titel ziert eine Burgruine an einer Felsenküste, die allerlei Vögel umschwirren. Im Vordergrund ist eine Harpyie (im Splittermond-Style) zu sehen. Den Hintergrund beansprucht eine bewohnte Burg für sich, während die Sonne aufgeht und die Sterne langsam verblassen. (Da die Region ihre Küste im Osten hat, halte ich diese Möglichkeit für wahrscheinlicher als einen Sonnenuntergang.)

Wie schon in den vorherigen Werken – Grundregelwerk, Weltband – sind auch hier die Innenillustrationen wieder vollfarbig. Bis auf etwa drei, vier kennen wir sie schon aus diesen Werken. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass die Mark ursprünglich Teil des GRW werden sollte. Das finde ich etwas schade, da die Mark so weniger authentisch und einzigartig wirkt. An den Bildern an sich habe ich allerdings nichts auszusetzen.

Die beiliegenden Karten von Arwingen und der Mark sind übersichtlich. Wer das Dokument mit elektronischen Geräten nutzt, kommt jedoch nicht umher, sie zu drehen, da das Querformat von links nach rechts statt oben bis unten beschriftet ist. Da Beide zudem unterschiedlich ausgerichtet sind – die Stadtkarte hat Norden oben, die Landkarte dagegen rechts – ist ein Drehwechsel beim Kartenwechsel nötig. Mein Tipp: Ausdrucken.

Deswegen gebe ich 3 von 5 Sternen.

 

Formalia und Aufbau

Das Inhaltsverzeichnis ist eine Spalte lang. Es hätte mehr Unterpunkte vertragen und wäre ohne Probleme auf zwei Spalten – und somit eine dreiviertel oder ganze Seite – zu erweitern gewesen. Der Index umfasst anderthalb Seiten, was bei 56 Seiten in Ordnung geht. Die Abschnittslängen sind größtenteils gut. Nur an einigen Stellen hätten weitere Unter-Überschriften eingefügt werden können. Hingegen sind mir einige Formulierungen dezent zu lang. Lesbarkeit ist dennoch gegeben.

Dafür gibt es 4 Sterne.

 

Die Mark

Mit 33 Seiten macht die Beschreibung der Region den Großteil des Buches aus. Der Überblick im Kasten vergisst leider, eine Gesamtzahl für die Bevölkerung zu liefern. Angesichts mehrerer Orte mit über 10.000 Einwohnern dürften es leicht eine halbe Million sein.

Zunächst gibt es einen Geschichtsabriss, der neben bereits bekannten Fakten – früher gab es Drachlinge etc. – kurz auf die jüngere Vergangenheit eingeht. Vor der Einigung in Selenia war die Mark Teil von Leyatann, einem Fürstentum. Der Fürst wurde vom Adel ermordet. Darauf gelangte das Land zu Selenia. Etwas kurz, aber der geplante Selenia-Band wird die Machtverhältnisse vor dem Kaiserreich in Dragoreas Mitte sicherlich weiter ausbauen.

Zu den Regionen der Mark zählt auch ein Sumpf.

Darauf folgt die Darstellung des Lebens vor Ort. Die Region ist eher ländlich geprägt, mit Feldern, Wiesen und einigen Wäldern. Der namensgebende Kynhorst (Gebirge) liefert Eisen und Kupfer, die Küste zudem Fisch. Es gibt kaum besondere Exportgüter. Allenfalls Muschelblau, ein beliebter Farbstoff, genießt Bekanntheit über die Grenzen hinaus. Zu den paar regionalen Besonderheiten gehört ein Dolch namens Dharst, der zugleich Symbol des Stolzes seines Besitzers ist.

Darauf folgen die Landschaften vor Ort. Neben einigen kleineren Ortschaften und dem einem oder anderem üblichem Zauberwald (mit Feen) spielen vor allem die nördlichen Wälder und das Seelenmoor eine Rolle. Erstere liegen an der Grenze zu den verheerten Landen, sodass die wenigen Siedlungen immer wieder von seltsamen Bestien Besuch erhalten. Durch das Moor führt dagegen der wichtigste Handelsweg. Ob der Fluss im Norden, die Draugis, befahrbar ist, wird nicht abschließend geklärt. Zumindest im Wald soll es einen Fluch geben, der dies verhindert. Da Selenia westlich des Kynhorst (bisher) keine Hafenstadt besitzt, müssten demnach alle Waren ins Herzland des Reichs durch das Moor.

Auf nicht ganz fünf Seiten findet sich die Beschreibung von Arwingen, der Hauptstadt. Bei Splittermond haben Siedlungen von Bedeutung offenbar mindestens 10.000 Einwohner; jedenfalls ist in der Übersicht keine kleinere Ansiedlung aufgeführt (aber auf der Karte). Einige weitere 10.000er werden in ein oder zwei Abschnitten knapp beschrieben. Aber zurück zur Hauptstadt. Arwingen besitzt derer 35.000 und liegt am Meer. Sie hat eine große Werft, wo das Landreich allmählich eine Flotte aufbaut, verschiedene Tempel und sogar ein Schwertalben-Exilanten-Viertel. Somit stellt die Stadt eine Mischung aus Mittelalter und Weltstadt dar.

Damit ist die Mark keine schlechte Wahl für eine Startregion. Es gibt verschiedene Aufhänger, z.B. den Schmuggel von Mondstein aus dem Moor oder die Erforschung alter Ruinen. Andererseits besitzt sie wenige regionale Besonderheiten. Für die andern Teile Selenias wünsche ich mir mehr Einzigartigkeiten. Vielleicht Städte, die in Höhlen erbaut werden? Oder Kellerwohnungen, wo besonders fruchtbares Land liegt und nicht für Häuser verschwendet werden soll.

Interessanterweise entspricht dies meiner Gesamt-Meinung der Welt: Viel bekanntes, wenig neues. Und für eine Welt, in der nahezu jeder zumindest ein bisschen zaubern kann, ist Lorakis erstaunlich, ja beinah langweilig bodenständig. Nicht falsch verstehen: Es soll schon Sinn ergeben. Aber etwas mehr Mut für Neues fände ich zumindest angenehm.

Das ist mir 3 Sterne wert. Wer Bodenständigkeit und Bekanntheit mag, kann 4 vergeben.

 

Abenteuer

Zum Spielen liegen noch zwei Abenteuer bei. Zwist der Geschwister ist eine Schnitzeljagd zweier Gnome durch die Hauptstadt, um ihr Erbe zu finden. So können die Spieler unaufdringlich einige Ecken kennen lernen. Es ist für Einsteiger-Helden konzipiert. In Seelenqualen, dass an das erste Abenteuer anschließen kann, verschlägt es die Gruppe ins Seelenmoor. Dort kommen sie einer Räuberbande und ihrem Anführer in die Quere. Das Letzterer heimlich mit dunklen Mächten im Bunde steht, macht die Sache nicht einfacher. Es kann auch mit leicht erfahrenen Helden (Grad 2) gespielt werden.

Die Abenteuer erfüllen ihre Aufgabe, Spiel und Region näher zu bringen. Sie sind jedoch kein Muss. Hier rennt die Gruppe hin und her und löst einfache Rätsel, dort sucht sie einen kleinen Dungeon auf. Ob NPCs im Gedächtnis bleiben, liegt hier am Spielleiter. Für ein vielschichtiges Spiel fehlt mir ein Intrigen- oder echtes Entdecker-Abenteuer. Zudem mag einigen nicht einleuchten, dass im zweiten Abenteuer ein böses Artefakt letztendlich auf recht einfache Weise zu zerstören ist. Warum sind die Drachlinge nicht darauf gekommen? Vermutlich kam ihnen der Mondfall zuvor. Oder vorher gab es kaum XY auf der Welt, sodass erst eine Kleinigkeit von weit herangeschafft werden musste. Und dann kam ihr plötzlicher Niedergang dazwischen. Diese Möglichkeit würde ich jedenfalls ins Spiel einbringen, um die Logik wieder herzustellen.

Daher gibt es wieder 3 Sterne. Wer es einfach liebt, haut noch einen drauf.

 

Fazit

Braucht der Splittermond-Spieler das Buch? Ganz klar: Nein. Es ist eine nette Ergänzung. Aber nett ist bekanntlich der Bruder von langweilig. Ich finde Potenzial verschwendet. Sowohl die Region als auch die Abenteuer könnten etwas vielschichtiger oder ungewöhnlicher sein. Erfüllt Arwingen seinen Zweck als Starthilfe? Ja. Ob das Buch auch nach Erscheinen der Einsteiger-Box lesenswert bleibt, hängt von deren Inhalten ab.

Es ist wie beim Grillen: Eine Bratwurst, gut durch, schmeckt. Aber immer nur Bratwurst wäre auf Dauer langweilig. Beim Rest Selenias wünsche ich mir daher auch Steaks, Grilltaschen, Geflügel – und für die Vegetarier Tofu.

Für mich ergibt die Rechnung am Ende 13 Sterne. Für Freunde dieser Art bleiben 15.

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