Jahresrückblick 2015

rueckblick-2015Am Ende des Jahres wird es Zeit, den Blick zurück zu richten und die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Was ich von 2015 halte, lest ihr jetzt.

Das fünfte DSA – mehr vom Alten

Mit Spannung erwartet, erschien die neue Edition im August. Nachdem der (große) Betatest 2014 einige Macken im ersten öffentlichen Entwurf offenbarte, überarbeitete die Redaktion die Regeln ohne neuen (großen) Test. Trotz dieses Mankos offenbart das neue Grundregelwerk einige Stärken. So ist die Aufmachung nicht nur vollfarbig, sondern auch klarer und übersichtlicher. Bei jedem Talent stehen Beispiele für Boni und Mali, und viele Bedingungen für Manöver und dergleichen sind weggefallen. Auch die neue Erschaffung gefällt mir gut.

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Das DSA-5-Grundregelwerk: hübsch anzuschauen, aber noch immer teils umständlich.

In wieweit die große Baustelle Kampf jetzt ausgemerzt ist, bin ich mir noch nicht sicher. Zwar sorgt die reduzierte Parade für weniger…nun ja, Paraden eben. Und das Manöver-Zuschläge nur noch für die Aktion und (beim Scheitern) nicht mehr die folgende Handlung gelten, kann Kämpfe möglicherweise beschleunigen. Dafür sind aber auch die AT-Werte gesunken. Und bei den Waffenwerten fiel die Überarbeitung für mich nicht so umfangreich wie gehofft aus.

Zudem bin ich skeptisch, was die Neuauflage alter Regionalspielhilfen betrifft. In den meisten Regionen ändert sich in mehreren Erdjahren – die ja zugleich aventurischen Jahren entsprechen – nicht viel, meist etwas auf der politischen Ebene. Und ob beispielsweise Thorwal (und eventuell das Gjalskerland) allein an die zweihundert Seiten füllen können, ohne gestreckt zu werden, bezweifle ich. Ich brauche keine höhere Beschreibungsdichte. Ich will noch Spielraum für eigene Festlegungen behalten.

Trotz dieser Variablen hat die neue Edition viel Potenzial. Auf jeden Fall scheint die Spielbarkeit wieder stärker in den Fokus der Redaktion gerückt zu sein.

 

Der Rest für Myranor – der Abschluss der vierten Edition

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Kann Magier in Myranor ziemlich überpowern: das Zauberwerk.

Zwei (mir bereits bekannte) Produkte für den Westkontinent von DSA haben ihn dieses Jahr erweitert. Da ist einerseits Myranische Meere. Der Ausflug in die blauen bis nachtschwarzen Tiefen ähnelt zwar stark Efferds Wogen, legt jedoch größeres Augenmerk auf das Spielen aquatischer Helden. Leider sind die neuen Spezies für übliche, gemische Gruppen nicht optimal. Mitten in Wüste oder Steppe ist täglicher Wasserkontakt etwas schwierig. Und das umständliche Schiffskampf-System taugt eher für Tabletops denn ein Intermezzo im Rollenspiel. Trotzdem findet der Leser einen Haufen brauchbares Material.

Das Myranische Zauberwerk über die Artefaktmagie des Westens war verdammt lange angekündigt. Das ausgerechnet ein Regelband von 4.1 nach dem Erscheinen des neuen Grundregelwerks der fünften Edition erscheint, ist etwas unglücklich. Zudem zeigt sich hier wiedermal der Hang der Autoren, nicht nur alles in Regeln zu fassen, sondern diese auch durch Einschränkungen noch zu verkomplizieren. Und wer mit Kraftumwandlern und Konsorten spielt, kann seinen Magier rasch beinahe komplett von der eigenen Regeneration von Astralenergie unabhängig machen. Trotz dieser Einschränkungen bietet auch dieses Buch eine Menge zum Spielen – zumindest für Gruppen, die den magotechnischen Hintergrund des Westens stärker ins Spiel einbringen wollen.

Das die Sammlung mit myranischen (Beispiel-)Formeln sogar erst gegen Jahresende erschien, spricht auch nicht gerade für ein glückliches Händchen. Ich hoffe, diese Formeln sind leicht in die Umstellung umzusetzen.

 

Das dritte Exalted – mehr warten

Nach wie vor glänzt die neue Edition durch Abwesenheit. Die Arbeiten am Buch zogen sich das ganze Jahr hin und sind immer noch nicht abgeschlossen. Trotzdem bleibe ich am Ball. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum Einen habe ich mit der ersten Edition einige vergnügliche, teils gar berührende Erfahrungen erlebt. Wo sonst kann eine Figur einer früheren Inkarnation begegnen, deren Körper nach Übertragung der letzten, tragischen Erinnerung zu Staub zerfällt? Zudem machen die Ankündigungen von The Onyx Path bereits einen guten Eindruck. Allerdings bleibt bis zum Erscheinen die Frage, ob die Regeln, vor allem die Superkräfte, nicht zu kleinteilig und wieder einen Tick simpler als in der zweiten Edition ausfallen.

 

Die neuen FATE und Savage Worlds – schlanke Systeme

Beide Spiele existieren schon länger, wurden in meiner Gruppe aber erst dieses Jahr

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Lässt manche Fragen offen: FATE.

entdeckt (im Zusammenhang mit der deutschen FATE-Übersetzung). FATE lässt viele Freiheiten, bietet jedoch auch kaum Grundlagen, um ein Spiel zu definieren. Gerade die Frage, wie ein Magiesystem hier funktioniert, kann einiges Kopfzerbrechen bereiten. Savage Worlds hingegen ist grobkörniger, liefert jedoch schon im Grundregelwerk eine große Auswahl, um nicht erst stundenlang die Eigenheiten eines Spiels festlegen zu müssen. Da die Würfel beim Erwürfeln der höchsten Augenzahl nochmal geworden werden, kommt jedoch ein gewisses, chaotisches Element hinzu. Dies macht sich besonders bei niedrigen Werten bemerkbar. Hier fällt der Unterschied zwischen Scheitern, Erfolg und phänomenalem Erfolg sehr groß aus.

Trotzdem spielen sich beide Systeme einfach, ohne Möglichkeiten zur Spezialisierung zu vergessen. Zudem gibt es einen Haufen Unter-Systeme und Konversionen, die sich eines der Beiden bedienen. So die Variante Wildes Aventurien für Sawage Worlds, die in meiner Gruppe gern gespielt wird. Daher kann ich jedem ans Herz legen, zumindest eines der Beiden auszuprobieren.

 

Jenseits des Spiels – Abschlüsse und Pegida

Nach drei Jahren konnte ich diesen Sommer endlich meinen Bachelor erlangen. Damit hat sich das Lernen zunächst bezahlt gemacht. Vielleicht folgt später der Master an. Zunächst will ich jedoch mehr Arbeitserfahrung sammeln. Ab Januar steht ein Praktikum von zwei Monaten an. Das Studium hat diesen Blog beeinflusst: Ich habe ihn erstellt, weil in einem Modul – Neudeutsch für Studien-Fach – als Aufgabe die Erstellung eines solchen in Aussicht gestellt wurde. Am Ende kam es zwar anders, doch halte ich an ihm fest. Ich hoffe, er findet auch bei euch Anklang.

Jenseits von Studium und Bewerbungen als private Erfahrungen bildete das Weltgeschehen die Grundlage vielerlei Gesprächsstoffes. Da war im Frühjahr die Griechenland-Krise. In einer fast explosiven Mischung aus Unnachgiebigkeit der Geldgeber und der neuen Regierung des verschuldeten Landes schaukelte sich dieser Konflikt unnötig hoch. Über den Trotz wider die Geldgeber scheinen Tschipras und seine Mitstreiter auch vollkommen notwendige Reformen zu vergessen. Zeigt sich hier eine gewisse Unterschätzung der Situation durch ihn? Manchmal habe ich diesen Eindruck.

Die Flüchtlingskrise in der zweiten Jahreshälfte wiederum führte, mal wieder, das Problem der merkelschen Politik vor Augen. Wer etwas nur verwaltet, ohne schon die Bewältigung sich abzeichnender Probleme anzugehen, läuft Gefahr, von diesen überrannt zu werden. Den viel beschworenen „Untergang des Abendlandes“ sehe ich jedoch nicht. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Wir können auch diese Herausforderung, mit oder ohne unsere Nachbarn, bewältigen.

 

Soviel also zu meinem Rückblick. Es freut mich, wenn ihr schreibt, was ihr davon haltet oder euch bewegt habt. In diesem Sinne: Frohes 2016!

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