Doppel-Rezension: Herr der Legionen und Herrin des Schwarms

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Cover der beiden Romane.

Der DSA-Kosmos wartet mit einem reichhaltigem Hintergrund auf. Die Ära der Dunklen Zeiten zählt zu den düsteren Epochen seiner Geschichte: zerfallende Reiche, Dämonen, die wie Götter verehrt werden, und der Untergang ganzer Völker prägten diese Zeit. Nachdem 2010 bereits eine Box diese Epoche beleuchtete, folgten 2012 die Romane „Herr der Legionen“ und „Herrin des Schwarms“ als Reihe „Tanz der Biene“. Beide stammen aus der Feder Judith C. Vogts und erzählen eine gemeinsame Geschichte aus der Zeit um 385 vor Bosparans Fall. Ob sie zu den guten, weniger guten oder schlechten DSA-Romanen zählen, lest ihr jetzt.

 

Herr der Legionen

Seitenzahl: 416, davon sieben für Glossar und Personenregister

Preis: gedruckt 10,- Euro, als ebook 4,99 Euro

 

* * *

Herrin des Schwarms

Seitenzahl: 416, davon sieben für Glossar und Personenregister

Preis: gedruckt 10,- Euro, als ebook 7,99 Euro

 

Cover und Rückseite

Der Herr der Legionen.
Der Herr der Legionen.

Den Herrn ziert ein Legionär, im Hintergrund sind seine Truppen und eine Hornisse zu sehen. Diese steht für den Gott Shinxir, der im modernen Aventurien in Vergessenheit geraten ist. Die Herrin zeigt Domina Sahina. Schwach angedeutet wird eine Biene, das Symbol einer andern Gottheit. Einerseits sind die Cover schön gestaltet. Andererseits beinhalten sie weder Dynamik noch Spannung.

Die Rückseiten beinhalten neben einem kurzen Text zu Aventurein und einer Landkarte in Form eines Umrisses des Kontinents noch einen kurzen Teaser. Im Innern findet sich zudem eine Übersichtskarte, die allerdings nur Bosparan – heute Vinsalt – und Umgebung zeigt. Eine größere Übersicht und eine Stadtkarte der Metropole würden die Übersicht erhöhen.

Daher reicht es nur für 3 von 5 Sterne.

 

Geschichte

Die Handlung wird aus mehreren Sichtweisen erzählt, wobei eine zunächst die Ereignisse um Gareth – damals tiefstes Barbaricum voller Orks – wiedergibt. Die Andern zeigen die Metropole Bosparan lange vor ihrem Untergang aus Sicht der Ober- und der Unterschicht. Im zweiten Buch laufen die drei Teilstücke zusammen und verknüpfen sich wie Puzzleteile. Mittelpunkt ist die Familie der Veneter, die zu höchster Macht gelangt, aber schließlich an ihrer eigenen Herkunft zugrunde geht. Dabei spielt ein besonderes aventurisches Volk eine wichtige Rolle. Gleiches gilt für wie ein mächtiges Artefakt, dass Menschen unter einem Willen vereinen kann.

In den Romanen bilden Intrigen das Grundgerüst der bosparanischen Gesellschaft. Die Autorin schafft es, einerseits einen ganzen Haufen davon einzubringen, andererseits jedoch nie den Überblick zu verlieren. Der Handlungsbogen bekommt so nochmal eine extra Prise Spannung. Auch eine Reihe von Wendungen tragen dazu bei. Allerdings ist dem geschichtskundigen Leser vom Anfang an klar, wie das Schicksal des erwähnten Volkes später entschieden wird. Zur Erinnerung: Die Handlung spielt 385 Jahre vor Bosparans Fall und erschafft keine alternative Zeitlinie. Zudem stellt sich der Abspann etwas ernüchternd da, ändert das Artefakt doch nichts an der Geschichte des Volkes.

Trotz gewisser Mankos sind 3 Sterne noch angemessen.

 

Figuren, Dialoge und Stil

Es gibt drei Hauptfiguren. Da ist zum einen die Legionärin

Und die Herrin.
Und die Herrin.

Eiria Punina, die in den heutigen Mittellanden nicht nur gegen Orks kämpft. Zum Zweiten das Sklavenmädchen Puella, die von einem leichtsinnigen Magier als Kraftquelle missbraucht wird. Und schließlich die Dame Sahina, die versucht, Macht und Einfluss ihrer Familie zu mehren. Hinzu gesellen sich Sahinas Söhne, eine Shinxir-Priesterin und weitere Nebenrollen. Die Figuren sind gut ausgearbeitet und verfügen über nachvollziehbare Motivationen und Charakterzüge. Der Hintergrund von Sahina wirkt auf mich allerdings ein bisschen exotisch. Einschübe aus der Sicht von Nebenrollen sind in kursiv geschrieben und als Interludium gekennzeichnet.

Der Stil geht in Ordnung. Mit komplizierter Satzstellung verschont die Autorin ihre Leser. An der einen oder andern Stelle hätte ich persönlich auf ein Füllwort verzichtet. Dies trübt meinen Eindruck jedoch nur minimal. Die Kapitellängen schwanken naturgemäß, aber keins nimmt eine unangenehme Überlänge ein.

Diesmal gebe ich 4 Sterne.
Die Welt im Roman

Schön dargestellt ist die Welt des bosparanischen Reiches, dessen Vorbild eindeutig im antiken Rom zu finden ist. Gegenüber dem späteren Aventurien bestehen auch deswegen einige Unterschiede. Die heutigen Mittellande sind größtenteils Wildnis, die erst noch erschlossen werden muss. Legionen streifen durch das Land, im Bemühen um die Festigung des bosparanischen Einflusses. Dieser ist seit der ersten Dämonenschlacht 568 vor Bosparans Fall merklich zurückgegangen. Es gibt noch keine klare Trennlinie zwischen Göttern und Dämonen, sodass mancher ganz ungeniert Wesen der Niederhällen anbetet.

Wie in späteren Zeiten ist übernatürliches Wirken etwas besonderes, kein Alltagsphänomen von der nächsten Straßenecke. Aber es kommt vor. Dies entspricht meinem Aventurien-Bild. Für das Flair benutzt die Autorin zudem zahlreiche Begriffe in Bosparanisch (Latein). Allerdings musste ich ohne Latein-Kenntnisse doch gelegentlich im umfangreichen Glossar nachschlagen. Die Welt jenseits Bosparans und seiner Besitzungen spielt nur am Rand eine Rolle. Das kann ich verstehen. Sollte nochmal ein Autor in dieser Zeit schreiben, darf er sich aber gern eine andere Ecke aussuchen. Mir fallen da zum Beispiel Elem oder Alhanien ein.

Es bleibt bei 4 Sternen.
Fazit

Herr der Legionen und Herrin des Schwarms haben kleine Schwächen. Die Geschichte des Volkes ist bekannt, und wie eine Hauptfigur endet, mag der eine oder andere unglaubwürdig finden. Dennoch haben wir hier einen der seltenen Vertreter der besseren Romane für DSA vor uns. Vor allem bietet er Einblick in eine Ära, aus der sich Aventurien in seiner heutigen Form entwickelte. Daher kann ich beide Romane dem Fan wärmstens ans Herz legen. Pflichtlektüre sind sie aber nicht.

Am Ende steht es bei 14 von 20 Sternen.

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