Sternenwanderer

Ersteindruck: Exalted 3. Edition

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Nach einer sehr erfolgreichem Kickstarter-Kampagne – der Zielbetrag wurde um das zehnfache überfinanziert – und fast drei Jahren Arbeit seit deren Abschluss nähert sich das Grundregelwerk der dritten Edition offensichtlich der Fertigstellung. Ein Freund von mir, der die Kampagne als Backer unterstütze, ermöglichte mir kürzlich nicht nur einen kleinen Einblick in die Vorab-Version, sondern auch einen ersten Test der Regeln. Meinen Ersteindruck lest ihr jetzt.

Exalted Third Edition (Core Rules)

Seitenzahl: bisher um 650

Preis: noch unbekannt

Erscheinungsdatum: vermutlich innerhalb der nächsten Monate

 

Aufmachung

Einer der Signature Chars: Prince Diamond, der Diplomat.

Schon der Wechsel von der ersten zur zweiten Edition brachte (zumindest im Grundregelwerk) eine große Steigerung der optischen Qualität. Diese Tradition setzt sich in der dritten Auflage fort. Vollfarbig, mit hübsch gestalteten Kopfzeilen, Hintergründen und teils Seitenrändern, präsentiert sich dem Leser eine Augenweide. Darin liegen die neuen Illustrationen ansprechend eingebettet. Statt auf Comic setzen die Macher diesmal mehr auf einen hochwertigeren Stil. Gleichzeitig kommt der große Ostasien-Anteil am Setting stärker durch, z.B. durch Bambusrohre als Seitenbegrenzungen. 

Mir gefallen beide Ansätze, treffen sie doch meinen Geschmack und mein Setting-Bild sehr gut.

 

Texte

Nach dem Überflug kann ich noch nicht viel zu diesem Thema sagen. Sie erscheinen locker und nicht dicht gedrängt. Trotzdem erforderte das Testspiel von Seiten des Meisters bereits einiges an Nachschlagen – was allerdings auch an den neuen Regeln liegen mag. Bei gegenwärtig gut 650 Seiten ist es jedoch ein massiver Brocken, der mehr als ein paar Mittagspausen verschlingen dürfte. Vermutlich wird das Layouten diese Zahl ein gutes Stück nach unten drücken.

 

Welt

Creation wurde an den Rändern erweitert und um neue Länder und Orte ausgebaut. Dazu zählen Städte, die von riesigen Statuen getragen werden, oder das vollständig mit klapprigen Hochhäusern zugekleisterte Wu Jian mitten im Meer (Bild am Anfang dieser Seite). Wie weit die Änderungen hier wirklich gehen, kann ich zur Zeit verständlicherweise noch nicht beurteilen. Aber wenn das Regelwerk einen guten Teil seiner Seiten für deren Beschreibung verwendet, dürfte sich genug Ideenstoff für viele Jahre finden.

Beispiel für das Layout: Farbenprächtige Armee-Parade.

Regeln

Neue Editionen beinhalten immer überarbeitete Regeln. Bei der dritten Version von Exalted fällt die Überarbeitung mittelstark aus, ähnlich wie bei der fünften Variante von Das Schwarze Auge (DSA). Die Grundregeln bleiben gleich. Ein Attribut und eine Fertigkeit, passend zur Situationen, werden kombiniert und ergeben den Würfelpool für eine Probe. Abgelegt wird diese mit einer entsprechenden Anzahl an zehnseitigen Würfeln. Jede sieben bis neun zählt als ein Erfolg, jede zehn als zwei. So können bei einem Wurf durchaus mehr Erfolge als Würfel zusammen kommen. Schwere Proben beginnen bei einem Schwellenwert – Mindestzahl an Erfolgen – von eins. Nur sehr schwere Proben erfordern den Höchstwert von fünf, was ich für etwas gering halte, angesichts der Umstände, dass dieser Wert schon für extreme Umstände steht.

Neu, zumindest in den Grundregeln, sind die Vorzüge. Diese umfassen neben altbekannten Punkten wie Mentor oder Ressourcen auch körperliche Vorzüge wie Eisenmagen oder gar Mutationen. Wer also einen Mutanten mit (Gleit-)Flügeln spielen will, mag dies tun. In zivilisierten Regionen kann dies enige Skepsis hervor rufen. Die Anzahl bekannter Sprachen wird jetzt über den Vorteil Sprachen geregelt. Ebenso bedarf es Kampfkünstler, um einen der gut ein Dutzend Martial-Arts-Stile des Buchs zu erlernen. Neben eher konventionellen Techniken wie Schlange oder Kranich gibt es auch exotische Arten wie den „silberzüngigen Nachtigal-Stil“, wo die Stimme als Waffe dient.

Dazu kommen die Intimicies. Das sind Aspekte des Charakters jenseits von Attributen,

Ein weiterer Signature Char: Krieger Volfer Dawn.

Fertigkeiten und Vorteilen, die ihn definieren. So könnte ein Revolutionär „alle Drachenblütigen erschlagen“ und „alle Sklaven befreien“ besitzen. Diese Aspekte können in sozialen Situationen durch Proben angesprochen werden. Wer den Revolutionär beispielsweise dazu überreden möchte, gegen einige Drachenblütigen vorzugehen, trifft damit einen Nerv. Falls dies allerdings mit der Sklavenbefreitung kollidiert, könnte der Kerl ablehnen. Dadurch wird verhindert, dass NPCs durch eine Probe zu allen möglichen Aktionen überredet werden. Gleichzeitig erinnert das System stark an FATE mit seinen Aspekten.

 

Große Änderungen gibt es im Kampf. Statt einer aktiven Parade kommt jetzt ein fester Wert zum Tragen, den der Angreifer übertreffen muss. Dieser entspricht dem halben Angriffspool des Verteidigers, teils modifiziert je nach Waffe. Wenn der Angreifer die Parade überwürfelt, erhöht sich seine Initiative (ini) um die Differenz. Statt wie früher direkt die Lebenspunkte runter zu prügeln, kommt es darauf an, die eigene Ini hoch und die des Gegners niedrig zu bringen. Sobald der Verteidiger im negativen Bereich angelangt ist, kann der Angreifer mit einer sogenannten decisive attack die Ini-Differenz als Schadenswürfel werfen.

So ist es schon Mortals ohne übernatürliche Kräfte möglich, mit einem entscheidenden Schlag auf einmal zwanzig Würfel rauszuhauen – nachdem er den Gegner in die Enge getrieben hat. Zwar kann ein Angreifer auch direkt schädliche decisive attacks durchführen, aber dadurch sinkt seine eigene Ini. Und die Chance, direkt Schaden anzurichten, ist gering.

Ob dieses System sich beim häufigen Spielen als schnell und dramatisch oder langweilig und zäh entpuppt, kann ich noch nicht beurteilen. Allerdings macht es einen interessanten Eindruck und geht, nach etwas Eingewöhnung, einfach von der Hand. Allerdings gibt es eher wenige besondere Aktionen – z.B. nur noch einen Angriff je Kampfrunde –, die außer Zuschlagen und Bewegung zur Verfügung stehen. Bei häufigerem Spielen könnte daher eine gewisse Monotonie aufkommen.

Zu den Superkräften, genannt Charismen, und Magie kann ich noch nichts sagen (siehe dazu mein Testspiel unten).

 

Fazit

Das Buch macht schon einen guten Eindruck. Wer Exalted noch nicht kennt oder erst die Änderungen kennen lernen will, sollte auf den sicher auch irgendwann erscheinenden Schnellstarter warten. Alle Andern – wie ich – hoffen auf ein baldiges Erscheinen zu einem fairen Preis.

 


Zur Info: Mein Testspiel

Für den Start unserer Ex-3-Erfahrung spielt meine Gruppe mit sterblichen Charakteren. Dies hat den Vorteil, erst mal in die Rolle als Auserwählte hineinwachsen zu können. Auf der andern Seite bedeutet es, dass Charismen und Magie noch außen vor bleiben. Sterbliche besitzen (im Grundregelwerk) keine Charismen, und Magie ist recht selten unter ihnen. Die Gruppe besteht aus einem zweifelnden Prediger, einer Monsterjägerin, einem Heiler und einem Leisetreter, die in Wu Jian ihre ersten Erfahrungen sammeln. Später soll es in den Westen gehen, wo zahlreiche kleine Inseln im Ozean verstreut liegen.

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