Rezension: Exalted Third Edition – der wohl schönste Backstein des Jahres

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Nach einem beeindruckend erfolgreichem Kickstarter ging das Rollenspiel in diesem Frühjahr in die neue Variante – oder bei seinem Setting Reinkarnation. Nach meinem Ersteindruck sag ich euch jetzt, ob das Werk top oder flop ist.

 

 

Exalted Third Edition (Core Rulebook)

Umfang: 686 Seiten, davon 663 mit Inhalt und 23 für Danksagungen

Preis: 29,99 US-Dollar (pdf), gedruckt 64,99

 

Info: Was ist Exalted?

Exalted ist ein Rollenspiel (RPG). Das Setting bildet eine hauptsächlich von Anime inspirierte Welt, in der die Spieler die Rolle von mit göttlicher Kraft ausgestatteten Sterblichen – den Exalted oder Hohen – übernehmen. Als Spiel von White Wolf/Onyx Path verwendet es das Storyteller-System. Damit ähnelt es mechanisch den Spielen der World of Darkness wie Vampire. Genauer gehe ich darauf in meiner Rezension zum ersten Grundbuch und der Rezenion des Zweiten ein. Abgesehen von wenigen Büchern der ersten Edition sind alle Bücher auf Englisch erschienen. Auch die 3. Edition gibt es bisher nur auf Englisch. Eine deutsche Version ist zur Zeit nicht geplant.

 

Cover und Illus

Auf der Frontseite ist eine Frau in kunstvoller Kleidung zu sehen, auf deren Stirn ein goldenes Zeichen erscheint, und im Hintergrund ein goldenes Leuchten. Der Titel ist nur durch die Abkürzung Ex 3 und in Form von Spielwelt-Schriftzeichen angedeutet. Das ist recht nichtssagend und wird Uneingeweihte vermutlich ratlos zurück lassen. Die Rückseite zeigt zwei Krieger im Kampf gegeneinander. Ein Text erklärt das grundsätzliche Dilemma: Einen Hohen der Sonne spielen und dabei die Welt retten – oder vernichten. Das sagt schon mehr aus.

Dagegen ist der Innenteil in seiner Vollfarbigkeit sehr ansprechend. Die Bilder sehen sehr gut aus und vermitteln einen Eindruck der Welt. Dies gilt besonders für die ganzseitigen Exemplare, die hauptsächlich vor neuen Kapiteln stehen. Das Fehlen einer großen Karte ist etwas schade, doch kann diese hier heruntergeladen oder online für Entfernungsangaben verwendet werden.

Aufgrund des mäßigen Covers gebe ich 4 von 5 Sterne.

 

Aufbau und Texte

Das Inhaltsverzeichnis ist mir mit lzwei Seiten zu knapp ausgefallen, aber im PDF verlinkt. Dafür nimmt das Inhaltsverzeichnis 24 und eine Drittel Seite ein. Verlinkt sind die Seitenzahlen dort leider nicht. Ein umfangreicher Index klärt zu Beginn die Bedeutung zahlreicher Begriffe. Bestimmte Themen werden in farbig unterlegten Texten erläutert. Die Texte sind gut in Kapitel, Abschnitte und Absätze unterteilt. Jedes Kapitel wird von einer Kurzgeschichte samt ganzseitigem Bild eingeläutet. Allerdings könnten einige Überschriften etwas stärker hervor stechen. Die englische Sprache ist auch im reinen Regelteil teils sehr blumig und macht einen großen Teil des Umfangs aus.

Kleine Fehler führen zur Wertung von 4.

 

Die Welt

Gegenüber älteren Editionen wurde das Setting an den Rändern erweitert und die Karte leicht überarbeitet. Besonders die Nordküste wirkt mit ihren Fjorden jetzt viel organischer. Am deutlichsten wirkt sich die Maßnahme im Südosten aus, wo jetzt ein neues Binnenmeer indisch-angehauchte Ländereien durchschneidet. Im Westen gibt es hauptsächlich eine zusätzliche, große Insel, wo verschiedene Mächte um einige Schreine kämpfen.

Weiterhin finden sich neue Typen von Exalted. Neben den aufrechten Solars,

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Anders als das Cover ist die innere Optik sehr schick ausgefallen.

gestaltwandelnden Lunars, selbstverliebten Drachenblütigen etc. sind Liminals, Exigents und Getimians angekündigt. Liminals werden aus Leichenteilen zusammen gesetzt und bekämpfen vor allem „echte“ Untote. Exigenten sind Erwählte niederer Götter und haben entsprechend individuelle Kräfte im Repertoire. Getimians schließlich bilden eine Art alternativer Sternenkinder, die das Schicksal vermutlich auf ähnliche Weise manipulieren können. Ob Exalted weitere Exalted-Typen braucht, lasse ich außen vor. Allerdings sprechen mich von den Neuzugängen nur die Exigents an. Bei den Andern sehe ich zu starke Überschneidungen zu den bisherigen Typen.

 

Die Beschreibungen transportieren viel Stimmung und haben bei mir Neugier auf weitere Infos geweckt. Leider fällt der Umfang der Weltbeschreibung mit 60 Seiten etwas knapp aus. Da werden viele Bereiche gerade mal angerissen und dürften bisher nicht mit Exalted vertraute Leser teils unschlüssig zurück lassen.

Dafür ist die Wertung 3 angemesen.

 

Regeln

Hintergrund ist das bekannte Storyteller-System. Proben werden mit zehnseitigen Würfeln entsprechend dem Wert aus Attribut und Fertigkeit abgelegt. Jede sieben bis neun zählt als ein Erfolg und jede zehn als zwei. Bei genug Erfolgen gelingt eine Aktion. Bei Proben gegen einen anderen Charakter – Angriffe, Überreden etc. – ist ein aus den Werten des Charakters abgeleiteter Wert mit Erfolgen zu übertreffen.

Neu sind Intimacies. Dabei handelt es sich um Einstellungen und Beziehungen eines Charakters. So könnte einer die Handelsgilde verachten oder sich zu einer Königin hingezogen fühlen. Sie ähneln den Aspekten von FATE sehr stark, generieren allerdings keine Punkte zum Neu-Würfeln. Stattdessen definieren sie Grenzen beim Überreden. Was nicht zu ihren Intimicies passt, ist nicht möglich. Ein Hofbarde wird nicht einfach nach ein paar Worten seine geliebte Königin töten. Ebenso geändert wurde der Kampf. Zunächst gilt es, die Initiative des Gegners nach unten und die eigene hoch zu kämpfen. Danach folgen die Schadenskästchen. Das verlängert die Kämpfe und ist durch einige Sonderregeln etwas unübersichtlich.

Wie in früheren Editionen, sind nur die Solars als Erwählte der Sonne schon spielbar. Weitere Erwählte sollen in kommenden Büchern folgen. Ihr Würfelpool kann durch übernatürliche Kräfte – genannt Charismen oder Charms – maximal verdoppelt werden. Mit der passenden Kraft lassen sich zudem Nicht-Erfolge neu würfeln, Einzel-Erfolge verdoppelt oder Auto-Erfolge hinzufügen. Der Großteil der Charismen im Buch ist den Solars gewidmet. Die Beschreibungen nehmen über 170 Seiten ein. Dazu kommen zehn Stile in Martial Arts, teils mit Waffen ausführbar. Nicht alle Wirkungen sind klar aus den Beschreibungen rauszulesen. Zudem gibt es viele Charismen, die nur bescheidene Auswirkung zeigen und lediglich als Voraussetzung mächtigerer Kräfte eine größere Rolle spielen.

Magie funktioniert jetzt über das Ansammeln von Energie aus der Umwelt zum Zaubern. Das dauert im Kampf schon mal ein paar Runden. Je nachdem, welche Technik der Zauberer dafür anwendet, kann er durch passendes Verhalten ein wenig Energie gleich zu Anfang gewinnen. Für konventionelle Auseinandersetzungen ist ein Arsenal verschiedener Waffen, Rüstungen und sonstiger Gegenstände enthalten. Ebenso finden sich zahlreiche Antagonisten, wobei nur wenige Tiere mit Bildern vertreten sind.

Gegenüber alten Editionen ist die Komplexität nochmal ein gutes Stück angestiegen. Allein die Frage, welche Charismen wie kombiniert werden können und welche bei Aktivierung andere verbilligen, kann einiges Nachschlagen erfordern.

Da das Regelkorsett etwas eng wirt, gebe ich 3 Sterne.

 

Fazit

Statt die Regeln zu vereinfachen, wurden sie ausgebaut. Ich denke nicht, dass es nötig ist, ein System, dass sich Geschichten erzählen so auf die Fahne geschrieben hat, durch solche Maßnahmen zu verkomplizieren. Zwar steht es jedem frei, wie genau er die Vorgaben am Spieltisch umsetzt. Allerdings dürfte der Umfang einige Leute vom Kauf abhalten. Tipp: Unschlüssige sollten auf den geplanten Schnellstarter warten, bevor sie Geld und Zeit aufwenden, um sich in die 663 Seiten – plus Danksagungen für Spender der Kickstarter-Kampagne – einzuarbeiten. Ohnehin lebt Exalted vor allem von seiner stimmigen Welt und Beziehungen der Charaktere zueinander. Darauf sollte sich eine Runde konzentrieren. Für reines Monstermetzeln gibt es einfachere Systeme.

Mit 14 von 20 Sternen fällt die Wertung gut, aber nicht überragend aus.

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