Sternenwanderer

Roman-Rezension: Paul Auster Leviathan

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Die Freiheitsstatue ziert Paul Austers Leviathan.

Der Autor Paul Auster pflegt seinen eigenen, ungewöhnlichen Stil. Aus seinen Anfängen stammt Stadt aus Glas. Aus seiner mittleren Schaffenszeit stammt Leviathan. Wie weit sich darin die Themen aus seinem Erstlingswerk – Identitätssuche und die Vernetzung aller Personen – wiederfinden, erfahrt ihr jetzt. Und nebenbei auch, ob sich die Lektüre lohnt.

 

 

Paul Auster Leviathan

Autor: Paul Auster

Seiten: 319 (Taschenbuch)

Preis: unterschiedlich, gebraucht etwa ab 5 Euro

 

Cover und Rückseite

Das verzerrte Gesicht der Freiheitsstatue findet sich neben einem rotgelben, zackigen Umriss. Ich denke, es handelt sich um einen umgedrehten Mensch im freien Fall. Im Hintergrund ist eine Straßenkarte zu sehen. Die Rückseite ziert ebenfalls eine Straßenkarte, nebst Hand und Fackel der Freiheitsstatue über einer Straße mit Autos. Daneben steht ein Auszug einer Rezension aus der Süddeutschen Zeitung.

Die Bilder sind nicht sehr künstlerisch, beziehen sich aber direkt auf den Inhalt. Nach Lektüre des Romans ergeben sie also Sinn. Richtig ansprechend finde ich die Gestaltung nicht. Es gibt allerdings noch andere Ausgaben mit anderen Covern.

Daher gibt es nur 3 Sterne.

 

Geschichte

Aus seiner Sicht erzählt Schriftsteller Peter Aaron die Geschichte seines Freundes Benjamin Sachs, der sich auf einer Landstraße mit einer selbst gebauten Bombe in die Luft gesprengt hat. Auster beginnt also mit dem Ende und arbeitet in Rückblenden die Entwicklung auf. Dabei erzählt Aaron genauso viel über sich, wie über Sachs. Die zahlreichen Wendungen flechtet Auster auf seine eigene Art zusammen. er konzentriert sich dabei auf die wichtigten Schritte von Sachs Entwicklung, die in ihrer Detailverliebtheit ganze Kapitel füllen. Während des Lesens mag dem einen oder andern Leser verwundern, warum Auster vorgeblich seitenlang vom Plot abweicht. Zum Beispiel, wenn Aaron erst von seiner Beziehung zu einer Künstlerin erzählt. Aber nach und nach fügt sich alles zu einem großen Gesamtbild zusammen.

Ebenfalls wundern lässt sich über die teils arge Häufung von Zufällen. So findet Sachs im Kofferraum eines Autos eines Toten auf einer abgelegenen Straße eine größere Menge Geld, mit der er seinen Plänen nachgeht. Mich stört diese Herangehensweise nicht, da wir am Ende alle miteinander verbunden sind.

Trotz kleiner Schwächen finde ich 4 Sterne angemessen.

 

Figuren, Dialoge und Stil

Aaron ist Übersetzer und Autor, der einige Zeit in Frankreich lebte. Er bildet damit das Alter Ego von Auster. Benjamin Sachs ist ebenfalls Autor, durchläuft aber eine Entwicklung. Diese Entwicklung führt ihn vom Schreiben über mehrere Stationen zum Bombenlegen und quer durch die Vereinigten Staaten. Jeder einzelne Schritt ergibt dabei Sinn – zumindest, wenn Menschen nicht als rein logische Wesen gesehen werden. Dazu kommen zahlreiche Nebendarsteller, die mehr oder weniger in Erscheinung treten. Die wichtigen Figuren sind gut chrakterisiert. Es gibt weder überflüssige Figuren, noch zu viele. Jede hat ihre Daseinsberechtigung, und ihr Zusammenspiel wirkt trotz aller Zufälle sehr natürlich.

Die Dialoge wirken natürlich, weder gestellt noch künstlich. Wie oben geschrieben, ist das Buch aus der fiktiven Sicht von Aaron geschrieben. Dabei wechselt Auster zwischen Dialogen und Zusammenfassungen. Durch die Perspektive entsteht eine große Nähe zur Geschichte. Zudem vermeidet Auster Geschwafel.

Da mir die Schreibweise sehr gefällt, hagelt es 5 Sterne.

 

Welt

Mit zahlreichen Details beschreibt Auster die Vereinigten Staaten von den 70ern bis Anfang der 90er. Besonders New York schildert er ziemlich umfassend. Dabei erschlägt er den Leser nie mit Details. Ebenso klingt er nicht oberlehrerhaft, sondern flechtet die Details nach und nach ein. Wie weit die Schilderungen Ort und Zeit passend wiedergeben, vermag ich als jemand, der noch nie New York besucht hat, nicht zu sagen. Sie wirken auf mich stimmig.

Dafür gebe ich 4 Sterne.

 

Fazit

Schlussendlich ist Leviathan ein typischer Auster-Roman: Großstädter auf der Suche nach ihrer eigenen Identität wirken über zahlreiche Zufälle aufeinander ein. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut. Leute, die wenig von vielen Zufällen halten, könnten anders denken.

Die Wertung steht bei 16 von 20 Sternen.

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