Sternenwanderer

Roman-Rezension: Mandarin

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Ein guter Roman ist wie ein gutes Gericht: Die Rohzutaten werden geschnitten, gekocht und mit etwas Gewürz verfeinert. Ein bisschen zu wenig oder zu viel reicht schon, um das Ergebnis zu ruinieren. Wo der Roman Mandarin sich auf meiner Geschmacks-Skala findet, lest ihr jetzt.

 

 

Mandarin

Autor: Robert S. Elegant

Seitenzahl: 703

Preis: gebraucht ab etwa 3 Euro

 

Cover

Ein asiatisches Dach auf einer Mauer wird halb von einem Baum verdeckt. Das passt zwar zur Thematik, sagt aber wenig aus – wie ein Mann, der die Hände vor’s Gesicht nimmt. Die Rückseite ist schwarz und zeigt nur einen wenig aussagekräftigen Text. Im Umschlag findet sich immerhin ein weiter gehender Überblick zur Handlung, der allerdings ein paar Spoiler enthält. Für mich ist die Gestaltung (dieser Ausgabe) wenig gelungen.

Es reicht nur für 2 Sterne.

 

Geschichte

Sie spielt im China des 19. Jahrhunderts, genauer von 1850er bis Anfang der 1870er Jahre. Saul Halevie ist ein Jude, der aus Bagdad nach Shanghai auswanderte. Dort arbeitet er als Händler im Ausländer-Viertel. Die wichtigste Figur stellt seine Tochter Fronah dar. Sie will ihren eigenen Weg gehen, ohne dabei die Traditionen ihrer Familie abzulehnen. Gerade zu Beginn ist sie neugierig und trifft sich heimlich mit ihrem Freund. Zudem orientiert sie sich an der europäischen Mode der Zeit. Weiter wichtiger Bestandteil der Familie sind die beiden Adoptiv-Söhne, die trotz ihrer chinesischen Herkunft von Saul als Juden angesehen werden. Während der eine als chinesischer Beamter – Mandarin – Karriere macht, schließt sich der andere den Taiping-Rebellen an. Diese Rebellion, die in den 1850er und 60er Jahren ein großen Teil Chinas erfasste, bildet den Hintergrund der Geschichte.

Leider verschenkt der Autor viel Potenzial, weil er sich nicht für einen Ansatz entscheidet. Er vermischt die Familiengeschichte mit den großen Ereignissen, Fronahs Suche nach Liebe mit ihren ungleichen Stiefbrüdern. Soll es eine Familiensaga sein? Dafür fehlt die Konzentration auf die Halevies. Oder aufgebröselte Geschichte? Dafür ist der Plot wiederum nicht immer nah genug an den Geschehnissen dran. Zudem geht es gelegentlich etwas Richtung kitschiger Liebesroman.

Spannung geht verloren, weil zwischen den ungleichen Brüdern auf verschiedenen Seiten kein Konflikt aufkommt. Und nach dem Ende der Rebellion wird der Andere ebenfalls Mandarin. Einfach so. Das finde ich ausgesprochen schade, da an sich alle Zutaten für eine epische Geschichte vorliegen. Immerhin ist eine gewisse Größe in Ansätzen zu erkennen, Trotzdem wäre weniger mehr gewesen.

Daher gibt es die Mittelwertung von 3 Sternen.

 

Figuren, Dialoge und Stil

Die Hauptfiguren werden zwar gut charakterisiert, doch geschieht dies vielfach über etwas oberlehrerhaft wirkende Absätze – und nicht über Aussagen oder Handlungen derselben. Zudem werden viele Ereignisse nur nebenbei erwähnt. Die Dialoge an sich gehen in Ordnung. Ein großes Manko bildet der Stil. Was für die Figuren gilt, gilt für das ganze Buch: zu vieles wird nur nebenbei erwähnt. So entsteht eine gewisse Distanz zu den Ereignissen. Trotz der umgänglichen Sprache entsteht so kein Lesefluss. Zudem ist das Buch in wenige lange Kapitel unterteilt. Die Übersicht leidet darunter.

Wieder reicht es nur für 3 Sterne.

 

Welt

Wie oben geschrieben, spielt die Handlung im China des mittleren 19. Jahrhunderts, dort vor allem in der Ausländersiedlung Shanghais. Und der Autor geht durchaus auf einige Aspekte der verschiedenen Kulturen wieder, die er als Auslandskorrespondent kennen gelernt hat. So sind immer wieder kurze Sätze auf Chinesisch zu finden, die sich dann in Übersetzung wiederfinden. Oder Begriffe wie Taipan, was einen ausländischen Händler bezeichnet. Oder Einblicke in die europäische Mode der Zeit. Leider geht er auch hierbei nicht so ins Detail, dass ein umfassendes Bild chinesischer Kultur entsteht. So spielt die unterschiedliche Gestik fast keine Rolle. Für einen Vergleich zwischen Rebellen und Kaiserlichen wird der Alltag in beiden Herrschafts-Gebieten zu wenig thematisiert. Dafür werden einige jüdische Rituale beschrieben.

Daher gebe ich nur 2 Sterne.

 

Fazit

Was im Klappentext – dem Rezept – noch schmackhaft klingt, entpuppt sich beim geistigen Verzehr als verbesserungswürdig. Zu sehr versucht Elegant, alle möglichen Geschmacksrichtungen abzudecken, ohne dabei eine richtig zu erwischen. Und zu sehr erwähnt er zahlreiche spannende Köstlichkeiten, mit denen er sein Angebot verfeinern könnte, es aber nicht macht.

So kommt es am Ende zu mageren 10 von 20 Sternen.

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