Sternenwanderer

Rezension: Legends of Lone Wolf I – Vermächtnis der Kai

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Nur weil eine Serie viele Teile besitzt, trifft sie nicht jedermanns Geschmack. Das gilt für audiovisuelle Medien genauso wie für Bücher. Und nicht jede Reihe, die in einem Format funktioniert, schafft das auch in einem anderen. Die Rollenspielbücher der Reihe Einsamer Wolf von Joe Denver dürften als Einzelabenteuer einigen Leuten ein Begriff sein. Inzwischen gibt es eine Roman-Umsetzung. Ob diese funktioniert, lest ihr jetzt.

 

Legends of Lone Wolf I – Vermächtnis der Kai

Seitenzahl: 324

Autor: John Grant

Preis: gedruckt neu 13,95 Euro, als eBook

 

Cover

Eine Gestalt im Kapuze und Umhang mit Schwert in der Hand steht vor einem Feuer. Im Hintergrund ist eine Art Tempel zu sehen, der schon halb von den Flammen bedeckt wird. Zwar ist das Bild stimmig, aber auch etwas generisch und könnte von gefühlt jedem zweiten Filmplakat oder Assasin’s Creed Wallpaper stammen. Die Szene ist ein Vorgriff auf den Inhalt, genauer das Ende. Zwar sieht es so aus, als wäre die Gestalt für die Zerstörung verantwortlich. Aber wenn sie den Haupt-Protagonisten darstellt, trifft sie damit ins Leere.

Ich gebe 3 Sterne.

 

Geschichte

Stiller Wolf ist Schüler der Kai, eines Ordens mächtiger Krieger, die ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Armeen des Guten gegen die Kräfte des Bösen anzuführen. Sie besitzen besondere Kräfte, wie übernatürliche Ausdauer oder dergleichen, aber keine offensive Magie. Für den spirituellen Teil seiner Ausbildung interessiert sich Wolf nicht besonders, aber mit der Axt zeigt er großes Geschick. Zugleich entschließt sich Magier Vonotar, seinen Magierorden zu verlassen, der ihm verbietet, die „böse“ Magie der rechten Hand zu erlernen und anzuwenden. Also reist er in die Düsterlande, um sich dem dunklen Herrscher Zagarna anzuschließen. Er verrät diesem, wie er die Kai auslöschen kann, um die guten Lande zu vernichten.

Was schon bei der Zusammenfassung nach einem Sammelsurium gängiger Fantasy-Klischees klingt, entpuppt sich beim Lesen zusätzlich noch als wenig spannend. Eigentlich ist von Anfang an klar, wo der Hase hinläuft. Wenigstens bleibt er nachvollziehbar.Außerdem werden die Wege der verschiedenen Protagonisten sehr kleinteilig beschrieben, sodass sich die Geschichte bis zum vorhersehbaren Finale dahinschleppt, wie die alte Stute eines Protagonisten. Da hätte sich der Autor lieber auf wichtige Momente konzentrieren sollen. Eingeschobene, zwischen den übrigen Kapiteln stehende Passagen zum Hintergrund wirken auf mich extrem unspannend und lassen endgültig keinen Lesefluss aufkommen. Zumal sie auch – zumindest für dieses Buch – oft unnötige Infos liefern, die mit dem Plot hier nichts zu tun haben.

Das ist 2 Sterne wert.

 

Figuren, Dialoge und Stil

Stiller Wolf sagt nicht viel – daher sein Name. Zwar ist er kein gefühlloser Stereotyp, aber mir war er ehrlich gesagt egal. Da er nur ein Charakter ist, dem der Plot folgt, bleibt kaum Platz, um ihn tiefgehend zu beschreiben. Dasselbe lässt sich über einen jungen Magier sagen, der trotz einer wichtigen Mission erst mal bei einer Bauernfamilie einkehrt. Und Vonotar, der Verräter, ist ein weiter, wenn auch ungleich mächtigerer Magier, der das Gute verrät. Immerhin versucht der Autor, Vonotars Motive zu beschreiben. Dies gelingt ihm aber nur ansatzweise. Immerhin eine Protagonistin bringt mit ihrer ausgefallenen Art, die Dinge zu sehen, etwas Würze ins Figuren-Kabinett. Letztendlich sind mir aber auch die Nebenfiguren herzlich egal. Ich fühle nicht mit den guten Charakteren und verabscheue die Bösen nicht. Und das ist das schlimmste, was über fiktive Charaktere gesagt werden kann.

Die Dialoge sind ebenfalls nicht geeignet, um im Gedächtnis haften zu bleiben. Immerhin verzichtet der Autor auf dümmlichen Unfug. Dasselbe lässt sich über den Stil sagen.

Für eine gute Figur gebe ich noch 2 Sterne.

 

Die Welt

Sommerlund ist das Land des Guten und der Menschen, die Düsterlande das Land des Bösen voller gewalttätiger Kreaturen. So unspannend wie der Rest ist auch die Welt gestaltet. Hier findet die Entscheidung im Kampf zwischen Gut und Böse im Universum statt. So einfallslos geht es bei den Ländern selbst weiter. Die Düserlande könnten auch eine Außenstelle von Nord-Mordor aus dem Herrn der Ringe sein, inklusive Lavafeldern und schwarzem Himmel.

In dieser Welt gibt es zwei Arten von Magie, die Sterbliche kennen. Da ist zum einen die Magie der linken Hand, die „gute“ Magie wie Heilung beinhaltet. Und dann der Weg der rechten Hand mit der „bösen“ Magie. Das ein guter Magier, der nur die linke Hand erlernt hat, am Ende ziemlich brutal seine Magie einsetzt, lässt zwei Schlüsse zu: Entweder hält der Autor sich nicht konsequent an die Vorgaben der Rollenspielbücher von Joe Denver. Oder die weibliche Protagonistin, die über eine Art angeborener Magie verfügt, greift ihm heimlich unter die Arme.

Es gibt in diesem Weltentwurf nichts, was neu oder ungewohnt wäre. Auch wurde keine große Arbeit hinein gesteckt. So gibt es keine ausgearbeiteten Sprachen, und im Grunde erfahre ich als Leser kaum etwas über die Welt. Vor allem ist mir schnuppe, was damit passiert.

Abermals steht die Wertung bei 2 Sternen.

 

Fazit

Ich kenne die Rollenspielbücher nicht, die dem Roman – dem ersten einer Serie – zugrunde liegen. Nachdem ich den Roman gelesen habe, verspüre ich auch keine Lust, die einfallslose Welt näher kennenzulernen. Das es einen einfallsreichen Charakter und einen am Rande tiefer beschriebenen Bösewicht gibt, rettet das Buch nicht. Kenner der Vorlagen mögen das anders sehen. Ob die aber viel neues erfahren, wage ich zu bezweifeln.

Die Entwertung landet bei bescheidenen 9 von 20 Sternen.

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