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Reden im Rollenspiel – Probleme in der Gruppen-Kommunikation

Business People hangout together at coffee shop

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Vermutlich hat jeder Rollenspieler das schon erlebt: Kommunikationsprobleme in seiner Gruppe. Wie sehen sie aus? Woher kommen sie? Was lässt sich dagegen tun? Ich habe mal ein paar Gedanken und Ideen von mir zusammen gefasst.

 

Perspektive 1: Die Perspektive als Spieler/Spielleiter

Erst vor kurzem habe ich schlechte Erfahrungen mit einer Gruppe gemacht. Aus Berufsgründen zog ich in eine andere Stadt. Ich hatte das Glück, über einen angeschriebenen Spieler auf der Seite Spielerzentrale.de eine zu finden. Nach einem ersten Testabend spielte ich dort etwa ein Dutzend mal mit. Alles schien soweit gut zu laufen, gespielt wurde relativ regelmäßig. Dann kam die Sommerpause.

Acht Wochen später fragte ich über Threema, das die Gruppe benutzt, an, wie es bei den andern Mitgliedern in nächster Zeit mit Spielen aussieht. Darauf erhielt ich folgende Antwort:

Ich denke dass du dich darauf einstellen musst, dass diese Runde nicht mehr zusammen kommen wird. Ein guter Freund von XXX ist zurückgezogen und hat XX, XX, XX und mich rekrutiert. Und da ehrlich gesagt die Chemie zwischen uns nie so wirklich stimmte, wird es da wohl keinen Platz mehr für dich geben. Sorry aber ich bin lieber ehrlich zu dir.“

Ich fand gleich mehrere Details an dieser Mitteilung unverschämt:

Wo ist da bitte die Ehrlichkeit? In meiner Selbstwahrnehmung hatte ich nie den Eindruck, dass die Chemie nicht stimmte. Das ich nach ein paar Spieleabenden natürlich nicht enger Freund der anderen wurde, die sich – meines Wissens nach – schon Jahre kennen, stimmt schon. Auch habe ich nicht an Aktivitäten teilgenommen, die andere Gruppenmitglieder teilweise miteinander unternahmen. Zum Beispiel Kinobesuche oder Tabletop-Sitzungen. Aber mir ist auch nie ein entsprechendes Angebot unterbreitet worden, und da mehrere Mitspieler Familien haben, hatte ich nicht den Eindruck, dass sie noch besonders viel Freizeit mit der Gruppe gestalten wollten. Daher kam obige Absage für mich völlig unerwartet.

In einem anderen Fall lief es weniger überraschend, aber ebenfalls nicht gut ab. Ich traf mich zunächst mit einem Pärchen, dass eine neue Gruppe aufmachen wollte. Bei diesem Gespräch schienen wir uns gut zu verstehen. Dann trafen wir uns zu einem Brettspiel-Nachmittag, da für Rollenspiel noch nicht genug Spieler beisammen waren. Das gefiel mir weniger, da das Spiel auch etwas komplex war und ich nicht so recht reinkam. Dann kam eine weitere Spielerin dazu, und ich erklärte mich bereit, einen Nachmittag ein Abenteuer zu leiten. Dabei machte ich, wie ich rückwirkend gestehen muss, den Fehler, ein für die anderen unbekanntes System einzuführen, dort ein eher belangloses Insel-Abenteuer mit begrenzter Interaktion anzubieten und zu viele Proben zu verlangen. Das Ergebnis war, dass es den anderen nicht gefiel. Vom Pärchen hörte ich danach nur noch, dass sie einen neuen Spielleiter für die Gruppe suchten. Dann kam nichts mehr, auch auf Nachfrage nicht.

 

Perspektive II: Die Gruppe

Ich bin auch teil einer Langzeit-Gruppe, wo ich nach meinem Umzug aber nur noch alle paar Wochen mitspielen kann. Von den Spielern der Anfangszeit, als ich dazustieß, sind mittlerweile nur noch ich und eine Spielerin übrig. Die anderen Ursprungsmitglieder verließen uns in der Zwischenzeit. Oft wegen Arbeit, wenn sie in eine andere Stadt ziehen mussten. Oder sie den Zeitaufwand des Spiels unterschätzten. In einem Fall auch, weil die Art eines neuen Spielers einem bisherigen Mitglied nicht gefiel. Vier andere kamen im Laufe der Jahre hinzu, der letzte vor etwa zwei Jahren. In dieser Konstellation sind wir seither stabil.

Neben Spielern, die länger dabei waren, gab es auch solche, die nur einen Abend dazustießen. Und sich dann nie wieder meldeten. Auch viele Leute, die wir über die Spielerzentrale anschrieben, antworteten nicht. Das stört, da wir ja Zeit und Energie darauf verwenden, um neue Mitspieler zu finden.

Einer unserer Stammspieler erzählte aus einer Gruppe, der er vorher angehörte, folgende Geschichte: Es gab dort einen Spieler, der ein bestimmtes System spielen wollte. Mehreren anderen Gruppenmitgliedern missfiel seine Spielart wohl. Daher sagten sie jedesmal, wenn er anfragte, was gespielt wird, dass jenes System dran sei, dass der Andere nicht mochte. Er nahm entsprechend nicht teil. In Wahrheit wollten sie den Spieler an sich nicht dabei haben und haben sich gefragt, wann er endlich darauf komme, dass dem so sei – statt direkt die Katze aus dem Sack zu lassen. Irgendwann verstand er wohl den Wink mit dem Zaunpfahl.

 

Der Kern des Problems: Zu wenig sprechen

Bei näherer Betrachtung offenbaren beide Perspektiven im Umgang mit anderen Spielern dasselbe Problem: Es wird nicht auf Kommunikationsversuche reagiert oder diese gar nicht erst unternommen. Statt Butter bei die Fische zu geben, bleiben die Leute stumm. Oder reden um den heißen Brei herum. Was wirklich Sache ist, muss sich die andere Seite selbst zusammenreimen. Und wer sich schon mal den Kopf über andere Leute zermartert hat, weiß, wie schnell man damit vollkommen daneben liegt. Woher kommt das? Vermutlich empfinden viele Menschen heute noch Direktheit als unhöflich. In anderen fällen wird einfach angenommen, dass andere dieselben Ansichten teilen. Vielleicht hält sich der eine oder andere auch für besser. Manchmal mögen die Kontaktdaten veraltet sein, oder die entsprechenden Plattformen mit Nachrichten werden schlicht ignoriert.

Letztendlich lässt sich in vielen Fällen nur mutmaßen, warum es bei der Kommunikation harpert.

 

Rede-Gebote – ein Lösungsansatz

Folgende Ideen habe ich mir ausgedacht, um etwas gegen das Problem zu unternehmen. Ich behaupte nicht, dass damit alle Schwierigkeiten gelöst werden können. Aber ein Lösungsansatz ist besser als kein Lösungsansatz.

1: Auf Anfragen reagieren

Am Anfang war das Wort. Beziehungsweise die Anfrage. Wenn ich eine solche erhalte, sollte ich darauf reagieren. Wenn gerade kein Interesse besteht, ist eine klare Absage besser als gar keine Antwort. Denn bei einer höflichen Absage mit der Begründung, dass gerade keine Lust oder Zeit besteht zum Spielen, halte ich mir die Tür offen. Wenn sich der Zustand ändert, kann ich bei der anderen Seite nachfragen, ob noch Interesse besteht. Sonst hinterlasse ich verbrannte Erde.

2: Sprecht Probleme offen an

Nicht in jeder Runde stimmt die Chemie sofort zu einhundert Prozent. Mein Humor ist beispielsweise manchmal gewöhnungsbedürftig. Aber wenn keiner mir sagt, dass ein Witz zu weit geht, weiß ich das nicht. Ein offenes Wort kann hier manchmal helfen und schafft Klarheit.

3: Bleibt höflich und möglichst sachlich

Als Journalist kann ich sagen, dass Kritik auch ohne Beleidigungen möglich ist – auch wenn mancher Schreiber in den sozialen Netzwerken mit seinen Kommentaren ein anderes Denken offenbart. Ebenso sollte Kritik möglichst sachlich bleiben. Das ist nicht immer zu einhundert Prozent möglich, da oft der eigene Geschmack mitspielt. Und über den lässt sich bekanntlich streiten.

4: Einigt euch auf die Plattform

Neben dem Gespräch von Angesicht zu Angesicht bei Treffen bietet die moderne Technik uns heute auch zahlreiche andere Möglichkeiten, miteinander zu interagieren. So gibt es verschiedene Messenger-Dienste wie WhatsApp und Threema, E-Mail, SMS… Das bedeutet aber nicht, dass jeder Spieler auch alle Plattformen kennt. Und wenn ein Teil der Gruppe WhatsApp und der andere Threema nutzt, entsteht am Ende kein Konsens, sondern Dauer-Dissens. Ich habe mir für meine mittlerweile Ex-Gruppe Threema zugelegt – was zumindest während meiner Zeit dort auch genutzt wurde.

Die verschiedenen Möglichkeiten eignen sich für unterschiedliche Bereiche. Threema oder WhatsApp empfehle ich für kurze Nachrichten, zum Beispiel unerwartete Verspätungen, an einzelne Spieler oder die ganze Gruppe. Längere Dokumente lassen sich auf dem kleinen Bildschirm eines Handys dagegen etwas schwer lesen und kaum bearbeiten. Hier leistet eine gute, alte E-Mail gute Dienste. Es gibt auch Plattformen wie Quip, wo sich gleich Dokumente mit freigeschalteten Gruppenmitgliedern online teilen lassen. Das ist eher für Leute, die gleich größere oder mehrere Texte bearbeiten wollen. Nach meiner Erfahrung – auch im Beruf – klärt ein Telefonat von fünf Minuten Dauer Fragen, die sonst in einem Dutzend Nachrichten ungeklärt bleiben. Am eindeutigsten bleibt aber das persönliche Gespräch – sofern sich alle an Regel eins bis drei halten.

5: Wichtige Entscheidungen fällt die Gruppe

Wichtige Entscheidungen sollten in der Gruppe besprochen und gemeinsam getroffen werden. Das bedeutet nicht, dass immer alle zustimmen müssen. Auf die Dauer funktioniert eine Gruppe jedoch nicht, wenn ein oder zwei Mitglieder immer ihre Ansichten auf Kosten der anderen durchsetzen. Dies schafft Frust und kann zum Ausstieg von Mitgliedern führen. Ein gewisses Problem entsteht, wenn bestimmte Spieler nur selten teilnehmen. Sie sollten zumindest über die Plattform die Möglichkeit erhalten, mitzureden.

6: Teilt Entscheidungen zeitnah mit

Sobald eine Entscheidung gefallen ist, sollte diese sobald wie möglich den Betroffenen mitgeteilt werden. Dies gilt besonders für Spieler, die nicht anwesend waren. Sonst entsteht Unsicherheit und Konfusion.

7: Haltet eure Profile aktuell

Facebook, die Spielerzentrale und andere Seiten erlauben das Anlegen von Profilen. Die Spielerzentrale ist direkt zum Suchen gleichgesinnter Spieler gedacht. Das Problem ist allerdings, dass viele Spieler ihre Profile nicht aktualisieren. Sie stehen nach Jahren noch unverändert da. Ich habe selbst schon Spieler angefragt, die in derselben Stadt wie ich angezeigt wurden – um dann zu erfahren, dass diese inzwischen umgezogen sind. Auch das erschwert die Spielersuche. Also aktualisiert eure Profile regelmäßig. Besonders wenn ihr Spieler sucht. Ich schreibe zum Beispiel keine seit Jahren unveränderten Profile an.

 

Ich hoffe, mein Artikel verbessert die Kommunikation da draußen. Oder habt ihr selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht? Schreibt mir in die Kommentare.

 

Symbolfoto von Pexels.com: Neue Kommunikationswege lösen nicht immer alte Kommunikationsprobleme.

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