Rezension: Blade Runner 2049

Die Fortsetzung eines Klassikers hat in der Regel einen schweren Spagat zu bewältigen: Zum einen soll der Charme und die Welt des ersten Teils fortgesetzt werden, um Fans der ersten Stunde weiterhin anzusprechen. Andererseits muss sie aber auch Neuheiten bieten und neue Zuschauer abholen.

Ein großer Klassiker der Science Fiction ist Blade Runner von 1982. Als Inspirationsquelle für Science Fiction, besonders Cyberpunk, hat er noch immer viele Fans. Für den Nachfolger, der jetzt 35 Jahre später im Kino läuft, war es daher nicht einfach, in diese Fußstapfen zu treten. Diese Herausforderung meistert der Streifen aber mit Bravour. Wo der Film großartig ist – und wo weniger – ergründe ich mit dieser Rezension.

Blade Runner 2049

Erscheinungsjahr: 2017

Dauer: 164 Minuten

Altersfreigabe: ab 12 Jahre

 

Die Story

2049 gibt es eine neue Form von künstlichen Menschen – den Replikanten –, die für normale Menschen die Drecksarbeit erledigt. Einer davon ist Officer K. Er jagt als Blade Runner abtrünnige Kollegen für die Polizei und versetzt sie in den „Ruhestand“. Bei einem Routineeinsatz macht er eine Entdeckung, die sowohl die Fundamente seines Daseins als auch der Gesellschaft ins Wanken bringen könnte.

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Ks holografische Freundin wirkt wie eine logische Weiterentwicklung von Heimgeräten wie Amazon Echo.

Zwar ist die Story gut geschrieben und lässt sich und den Figuren Zeit, sich zu entwickeln, und hat mehrere bedeutende Wendungen. Sie ist allerdings auch nicht herausragend. Die Erschütterung, die Ks Dasein erhält, könnte mehr ausgespielt werden. Auch fehlt dem Film ein charismatischer Bösewicht wie Replikant Roy Batty aus dem Original-Film.

Dafür bleibt großer Leerlauf wie in einigen Passagen des ersten Blade Runners aus. Zudem behandelt der Film recht gekonnt die Frage: Was macht Leben aus? Und was Wahrheit? Dabei haut er erfreulicherweise nicht mit der Moralkeule drauf. Kenntnis des Originals empfehle ich, um die große Bedeutung der Geschichte im Kontext der Welt komplett nachzuvollziehen.

Trotz Schwächen gebe ich 4 von 5 Sterne.

 

Visuelle Erscheinung

War der Original-Film schon großartig in seiner dystopischen Optik, so ist der Nachfolger hier mit Abstand der beste Film, den ich bisher gesehen habe. Dies liegt nicht daran, dass er ständig mit Explosionen oder Effekten um sich wirft. Sondern dass alles organisch wirkt, so als seien die Schauplätze tatsächlich alle gebaut und nichts im Computer generiert worden.

Zudem passen die Kulissen perfekt. Ks Wohnung ist äußerst spartanisch eingerichtet, was gut zu seinem Charakter passt. Durch lange Totalen werden die großartigen Schauplätze zudem äußerst plastisch vorgestellt. Manchmal fangen sie die Perspektive von K mehrmals ein und vermitteln sie so dem Zuschauer. So gibt es eine Szene, wo sich der Ausschnitt von K erst auf den ganzen Raum vergrößert, als er sich dort umsieht.

Besondere Effekte wie Explosionen werden dabei genau so wohl dosiert eingesetzt, wie die überragende Beleuchtung. Auch Ks holografische Freundin interagiert auf eine so natürlich wirkende Weise mit ihm, dass manchmal nur ihre Durchsichtigkeit ihre künstliche Natur verrät.

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Die visuelle Gestaltung überzeugt so sehr, dass der Unterschied zwischen Kulissen und Computer-Effekten mit der Lupe gesucht werden muss.

Zudem ist das Szenario äußerst detailverliebt. Allein die Tatsache, dass Ks Freundin bei jeder Aktivierung und Deaktivierung denselben Klingelton samt Logo ihrer Firma abspielt, zeugt von der Genauigkeit, mit der Regisseur Denis Villeneuve und sein Team diese Welt zum Leben erwecken. Lediglich die Tatsache, dass die 3D-Version keine besonderen Effekte auffährt, mag das Erlebnis für einige Kinobesucher trüben. Ich bin aber eh kein Fan dieser Technik, bei der Elemente einfach wie in verschiedenen Ebenen befindlich hintereinander gestellt wirken.

Da keine visuellen Wünsche offen bleiben, hat der Film 5 Sterne verdient.

 

Musik und Ton

Auch die akustische Gestaltung ist eine Wucht. Klar vom Original-Soundtrackschreiber Vangelis inspiriert, treffen Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch stets den richtigen Ton. Wenn gekämpft wird, untermalen dumpfe Töne jeden Schlag, während in ruhigen Momenten die Musik eben jene Ruhe transportiert. Auch Spannung steigert sich auch dank der Akustik teils über längere Strecken bis zur Entladung. Die deutsche Synchronfassung gefällt mir gut. Die Stimmen passen zu den Charakteren.

Wieder gebe ich 5 Sterne.

 

Darsteller

Ryan Cosling spielt Agent K. Mit seiner ruhigen Grundausstrahlung hat er zwar gewisse Ähnlichkeiten mit gefühllosen Figuren wie Mr. Spock oder Data (vor seinem Gefühlschip), offenbart in dramatischen Situationen aber auch seine sehr emotionale Seite.

Harrison Ford zeigt als gealterter Replikantenjäger Rick Deckard, dass er sowohl im Schauspiel als auch bei Schlägereien noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Die beiden Schauspieler stehen sich in nichts nach, was ihre erstklassige Performance angeht. Ana de Amas spielt die weibliche Hauptfigur Joi, die als Hologramm zwar nichts direkt berühren kann. Aber sie ist geistig vollkommen auf Augenhöhe mit ihrem Besitzer K.

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Ryan Gosling (links) und Harrison Ford führen die großartige Darsteller-Riege an.

Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Fast jeder Charakter hat zudem zumindest einen guten Satz bekommen. Nur einen so charismatischen Antagonisten wie im ersten Film sucht der Zuschauer vergebens. Jared Leto als Niander Wallace taucht dafür zu selten auf und hat auch zu wenig mit dem Fortgang der Handlung zu tun. Seine Assistentin Luv, gespielt von Sylvia Hoeks, wirkt etwas platt – auch wenn eine gewisse Ironie dahinter steht, wenn sie einer Drone per Datenverbindung einen Raketenangriff befiehlt, während sie selbst sich die Nägel machen lässt.

Nichts desto trotz dürften bei der nächsten Oscar-Verleihung einige Nominierungen für den Cast raus springen.

Trotz Schwächen sind wieder 5 Sterne angemessen.

 

Fazit

Während die Story schwächen auf hohem Niveau zeigt und ein charismatischer Bösewicht fehlt, punktet der Film in allen anderen Bereichen. In der Einbindung von Tricktechnik und seinem Erscheinungsbild erreicht der Film dafür sein Original, übertrifft es vielleicht sogar. Wer Filme mag, die sich Zeit lassen, um ihre Handlung zu entwickeln, kann bedenkenlos reingehen.

Die Gesamtwertung fällt mit 19 von 20 Sternen sehr gut aus.

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