Mein Kleiner Jahresrückblick 2017

Bevor das neue Jahr endgültig aus seinen Startlöchern kommt, will ich nochmal einen kleinen Rückblick auf das vergangene Jahr wagen. Es war wiedermal ereignisreich: neuer Präsident in den USA, herbe Verluste für die großen Parteien bei der Bundestagswahl in Deutschland, Rechtspopulisten weiter auf dem Vormarsch. Aber auch im Bereich fantastische Popkultur hat sich einiges getan.

 

Neue Systeme

Einige neue Systeme konnte ich letztes Jahr zumindest anlesen. Fragged Empire ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne. Das „post-postapokalyptische“ Science-Fiction-Rollenspiel bekam auch eine deutsche Übersetzung spendiert. Während ich das Setting ganz okay finde, stören mich die Regeln etwas. Das ist auch der oft unklaren Sprache geschuldet, wo für dieselben Mechanismen an verschiedenen Stellen unterschiedliche Begriffe Verwendung finden. Die deutsche Übersetzung schafft es dabei kurioserweise, diesen Umstand in unsere Sprache zu transferieren. Wer etwas Arbeit reinsteckt, kann aber durchaus Spaß damit haben.

Wandering Heroes of Ogre Gate ist zwar nicht so erfolgreich, zeichnet dafür aber ein von Kung Fu geprägtes Ostasien-Setting, dessen Regeln und Welt einen guten Eindruck hinterlassen. Ins Balancing muss dafür jede Gruppe noch selbst Arbeit investieren. Zudem sind die Fertigkeiten recht kleinteilig, selbst einzelne waffenlose Disziplinen wie Tritte und Schläge haben eigene Werte.

***

Da ich vor dem Kauf dicker Bücher gern erst einen kleinen Voreindruck vom Spiel habe, standen auch mehrere Schnellstarter wieder auf meinem Programm. Coriolis spielt ebenfalls in der Zukunft. Der „Third Horizon“ ist aber eine Region, die nicht von westlichen, sondern mittelöstlichen und afrikanischen Einflüssen geprägt wird. Während die Regeln einen ganz soliden Eindruck hinterließen, gab es von der Welt leider zu wenig Eindruck im Schnellstarter. Auch die übernatürlichen Fähigkeiten wurden nur erwähnt, aber nicht beschrieben. Dafür fällt das Artwork hübsch aus.

Belly of the Beast und Ruma: Dawn of Empire haben besonders kurze Schnellstarter bekommen. Das ist schade, weil die Ideen dahinter mal anders sind: In Inneren einer Welten verschlingenden Bestie überleben oder den Beginn eines quasi römischen Imperiums mitzuerleben klingt für mich kreativer, als die 500. Tolkien-Fantasy-Welt. Durch die kurzen Heftchen kann ich aber kaum sagen, wie gut das Ergebnis sein könnte. Der Schnellstarter zur 3. Edition von Exalted muss dagegen mit dem Problem kämpfen, dessen komplexe, manchmal überbordende Regeln samt Einstiegsabenteuer mit relativ wenig Seiten rüberzubringen. Dieser Versuch ist dafür durchaus gelungen.

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Kung-Fu-Action mit kleinteiligem Fertigketissystem bietet Wandering Heroes of Ogre Gate.

 

Neue Werke altbekannter Systeme

Zwar schon Ende 2016 erschienen, aber sicher nicht nur bei nur erst Anfang letzten Jahres aufgeschlagen hat die Aventurische Magie (1). Darin wurden die „gesellschaftlichen“ Zaubertraditionen Aventuriens näher beleuchtet, die Zaubertänzer endlich zu einer ernsthaften Tradtion ausgebaut und die Zauberbarden neu eingeführt. Das Werk geht den eingeschlagenen Weg der fünften Edition konsequent weiter: tolle Optik, einige neue Sachen einführen, stellenweise aber noch zu kleinteilig oder mit zu vielen Beschränkungen, als das alles im Spiel Sinn ergeben würde.

Für Space: 1889 erschien mit dem Mondband wohl die letzte „Regional“-Beschreibung. Diesmal spielt sich das Geschehen weniger auf der Oberfläche ab, sondern vielmehr in ausgedehnten Höhlensystemen darunter. Dort  leben neben insektenartigen Aliens auch Nachfahren einer einst großen Zivilisation, die teilweise degeneriert sind. Daher – und weil der Weg zum und vom Mond nicht ganz einfach ist – eignet sich der Himmelskörper nach meiner Ansicht eher für fortgeschrittene Space-Gruppen.

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Im Mondband für Space: 1889 geht es auf und vor allem in den Trabanten.

Auch bei Splittermond geht die Produktion weiter. Mittlerweile sind auch mehrere Regionalspielhilfen draußen. Eine der kürzeren beschäftigt sich mit der Sumpfstadt Dakardsmyr, die durch ihre etwas verworrene Architektur und das Intrigenspiel zwischen den örtlichen Gnomen geprägt ist. Auch Alchemie spielt eine große Rolle. Mir persönlich war hier etwas zu wenig Konkretes an Beschreibung enthalten.

Eine größere Spielhilfe ist hingegen zu Zhoujiang rausgekommen. Die China-Variante von Splittermond glänzt durch die abwechslungsreiche Beschreibung eines Reiches, dass dreigeteilt ist und in einem Bürgerkrieg liegt. Auch hier gab es einige Lücken in der Beschreibung. So wurde zwar erwähnt, dass Farben andere Bedeutungen haben können in verschiedenen Reichsteilen. Auf Beispiele wurde aber leider verzichtet. Dies gilt auch für Angaben zur Sprache und Schrift, sodass schon die Aussprache der örtlichen Namen in vielen Gruppen zu Konflikten führen könnte.

Etwas schade finde ich übrigens, dass die Lizenzen für Tharun und Myranor vom Uhrwerk Verlag zurück an Ulisses gingen. Immerhin hat Uhrwerk mit den Neuauflagen der Systeme dazu beigetragen, diese wiederzubeleben. Ob Ulisses daran anknüpfen kann – auch angesichts des eher brach daliegenden Uthuria – muss sich erst noch zeigen. Dass Prometheus die Lizenz für deutsche Savage Worlds Produkte verloren hat, sehe ich mit gemischten Gefühlen. Es gab viele Verzögerungen beim kleinen Verlag, und Mitspieler von mir mussten seinerzeit doch einige Zeit auf die Lieferung des Regelwerks warten, als es schon draußen war. Ich gehe davon aus, dass ein anderer Verlag sich dieses erfolgreiche Spiel sichert.

 

Filme und Videospiele

Letztes Jahr kamen auch zwei lang erwartete Science-Fiction-Filme in die Kinos: Star Wars VIII und Blade Runner 2049. Der Sternenkrieg löste wieder einen weltweiten Hype aus. Trotz der klaren Aufmachung als Popcorn-Actionfilm bot der Film auch einige Überraschungen für die Zuschauer. Die Reaktionen fielen entsprechend gemischt aus. Mir gefällt der Film – wenn auch die Logik der Handlung wieder stellenweise auf der Strecke bleibt.

Ganz anders kam dagegen Blade Runner 2049 daher. Ein ruhiger Film, der sich viel Zeit lässt, seine Figuren und die Szenerie zu ergründen. Besonders die bewegten Totalen können sich andere Filme ruhig abgucken. Auch essentielle Fragen zum Menschsein spielen eine große Rolle, ohne in philosophischen Ballast abzudriften. Meinen Geschmack trifft dieser Ansatz, und es ist schön, dass Hollywood auch noch Geld für solche Werke übrig hat.

Zu guter Letzt habe ich das Jahr auch genutzt, um einige moderne Klassiker der Videospiele nachzuholen. Darunter fand sich mit Pillars of Eternity eine mit moderner Technik und eigenem Regelsystem umgesetzte Hommage an Klassiker wie Baldurs Gate. An sich ein schönes Spiel, verlor sich die Handlung für meinem Geschmack zu sehr im Hintergrund. Das ist schade, geht es mit der Thematik von Wiedergeburt von Seelen und das Wesen von Göttern doch um spannende Fragen. Das Regelsystem war mir wiederum zu einschränkend und ähnelte Dungeons & Dragons.

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Klassisches 2D-Spielerlebnis bietet Pillars of Eternity.

Tyranny ist zwar vom selben Entwickler, hat aber schlankere Regeln und eine packende Story. Der Ansatz, einen „bösen“ Charakter auf eine ernsthafte statt klischeehafte Weise zu spielen, gepaart mit großer Entscheidungsfreiheit und tollen Partymitgliedern entschädigt mich für die für ein Rollenspiel relativ kurze Spielzeit.

 

Fazit

2017 war auch im fantastischen Sektor der Popkultur wieder ereignisreich. Und 2018 geht es spannend weiter. Wie werden sich Myranor und Tharun bei Ulisses entwickeln? Bringt Uhrwerk eine deutsche Version der Neuauflage von Numenera? Und welche neuen Rollenspiele werden ins Deutsche übersetzt? Spätestens in zehn Monaten sind wir schlauer.

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