Review: Esmoda – Untoten-Stadt mit morbiden Charme

Weiter geht die Splittermond-Regionalband-Reihe. Letzten Herbst erschien mit Esmoda wieder ein kleinerer Band, der sich der vielleicht ungewöhnlichen Ortschaft der Spielwelt widmet: Der Stadt der Untoten. Ob sich ein Ausflug auch bei steigenden Temperaturen lohnt, lest ihr jetzt.

 

Esmoda – Die Zitadelle der Unsterblichkeit

Autoren: Thomas Römer, Stefan Küppers u.a.

Seitenzahl: 64

Preis: gedruckt 14,95 Euro , als eBook 7,99

 

Cover und Illus

Den Einband ziert ein in prachtvolle Gewänder gekleideter Würdenträger, den Diener auf einer Sänfte durch die Straßen der Stadt tragen. Mit Pagoden, roten Lampions und dem Aussehen der Anwesenden verweist die Szenerie gleich auf den starken Einschlag von Zhoujiang (Splittermonds China) auf die Stadt. Dabei gelingt es, die bedrückende, unheimliche Stimmung zu übermitteln und trotzdem viele verschiedene Details zu zeigen.

Im Inneren sind wieder voll farbige Bilder zu sehen. Einige davon wirken wie leicht verfremdete Fotografien aus China, was zwar etwas befremdlich wirkt, aber noch zu den übrigen Illustrationen passt. Es sind auch viele neue dabei, sodass der Text immer wieder angenehm visuell aufgelockert wird.

Dafür sind 4 Sterne angemessen.

 

Texte und Aufbau

Trotz der überschaubaren Seitenzahl ist mir das halbseitige Inhaltsverzeichnis etwas knapp geraten. Dasselbe gilt für den einseitigen Index, der noch mehr Platz für weitere Begriffe wie Waffen bieten vertragen könnte. Immerhin sind die wichtigsten Schlagwörter enthalten und Seitenzahlen im eBook passend verlinkt. Ein Glossar hätte als Bonus sicher manches Nachschlagen erspart. Seitenreiter gibt es ebenfalls nicht.

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Die Dame Staubfalter veröffentlicht regelmäßig Tagebücher aus ihrem Unleben in der Stadt.

Dafür sind die Texte gut geschrieben, übersichtlich formatiert und kleine Ingame-Passagen klug und atmosphärisch eingesetzt. Rechtschreibfehler sind mir groß keine untergekommen. Beim Stadtplan, der nochmal im Anhang beiliegt (und bei Uhrwerk kostenlos heruntergeladen werden kann) wurde diesmal, anders als bei Dakardsmyr, an die passende Legende gedacht.

Ich gebe 3 Sterne.

 

Der Hintergrund

Esmoda ist eine Stadt der Untoten, der man den starken Einschlag der zhoujiangischen Kultur anmerkt. Eine unbekannte Kraft zieht die Vitalität aus Lebewesen und lässt Gegenstände langsam, aber sicher verfallen. Auch die Stimmung in der Stadt ist gedrückt. Der Effekt ist allerdings nicht so stark ausgeprägt, dass regel-technischer Schaden entsteht. Dennoch fühlen sich Sterbliche in der Stadt unwohl. Andererseits suchen viele alte oder todkranke Verzweifelte sie auf, in der Hoffnung, dem baldigen Ende zu entgehen.

Dazu müssen sie an einem Ritual teilnehmen, dass viermal jährlich stattfindet. Dadurch werden sie zu Untoten, die allerdings ihre Persönlichkeit behalten. Da dieses Schicksal einerseits sehr lange anhalten kann, andererseits die Zahl der Bewohner überschaubar gehalten wird, schaffen es nur wenige Sterbliche, die Gilden davon zu überzeugen, dass gerade sie Wissen und Fähigkeiten besitzen, dass für die Gesellschaft der Untoten von Nutzen ist.

Dieses Wissen ist auch der größte Schatz der Stadt, sodass die hiesige Bibliothek deren Träger statt eine direkte Beschreibung der Fähigkeiten auflistet. Da die Untoten die Stadt nur kurze Zeit verlassen können, ohne ihren Verstand zu verlieren, finden sich hier einige machtvolle Lehrmeister versammelt, die auch für Wissenssucher großen Nutzen haben. Doch die Erwählung geht nicht für alle gut aus. Einige werden mit der Zeit apathisch oder wahnsinnig. Andere wählen nach Jahrhunderten der Existenz den Freitod durch Feuer – oft auf einer eigenen Bühne in der Stadt.

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Einige Bilder wirken wie verfremdete Fotografien. Essen ist für die Untoten wegen ihres schwindenen Geschmacksinns und mangelnden Hungers weniger wichtig.

Die Gesellschaft Esmodas wird von Intrigen der Einwohner untereinander geprägt. Die Regierung übernehmen drei besonders alte und mächtig Untote. Der König der Fliegen kümmert sich um die Sicherheit der Stadt, lenkt die Exekutive und empfängt Gesandtschaften anderer Reiche. Sein Feind ist der König des Fleisches, ein Meister der Chimärologie. Diesem (oder dieser) unterstehen die Beamten und Gerichte. Mächtigster des Trios ist schließlich der König der Knochen, Ihm obliegt die magische Sicherheit der Stadt, die Durchführung des Rituals der letzten Rast, dass neue Untote erhebt, und der Knochensturm. Diese gewaltige Horde hirnloser Untoter wurde nur selten gegen feindliche Armeen oder eine mörderische Sekte in der Stadt entfesselt – und zeigte keine Gnade.

Schön sind die vielen Verknüpfungen der einzelnen Figuren, die eine dichte Atmosphäre schaffen. Auch die Beschreibung der einzelnen Stadtteile vermittelt viel Flair. So versuchen ausgestoßene Untote, an wenigen Rissen der Stadtmauer vor dieser noch von der sie erhaltenen Macht der Stadt zu kosten, um nicht den Verstand zu verlieren. Zudem gilt es unter einigen Mördern der Stadt als Wettbewerb, so weit außerhalb wie möglich Aufträge anzunehmen, geschwind noch rechtzeitig zurückzukehren und so nicht zu hirnlosen Untoten zu werden.

Neben vielen interessanten Orten in der Stadt gibt es darunter ausgedehnte Tunnel, die sogar bis in die lorakische Unterwelt – das Tiefdunkel – reichen sollen. Neueren Ursprungs ist hingegen die Droge Teng, die den Untoten Erlebnisse mit mehreren Sinnen zugleich ermöglicht. Da sie dafür aber oft ihre Pflichten vernachlässigen, stellt sie eine Gefahr für die Gesellschaft der Stadt dar.

Die Beschreibung ist dabei viel konkreter und weniger schwammig als beim anderen Stadtband zu Dakardsmyr. Gleichzeitig gibt es noch genug Freiraum für eigene Ideen, ja sogar ein Viertel, dass offiziell frei gelassen wird.

Da mir die Beschreibung gut gefällt, gebe ich 5 Sterne.

 

Regeln und Abenteuer

Überschaubar fällt der Teil für die Regeln aus. Zu besonderen Materialien aus der Stadt (bzw. Mienen aus deren Umland) gehören Knochensilber und Totenerz, die hier freundlicherweise nochmal mit ihren Auswirkungen beschrieben werden (und aus dem Band Mondstahlklingen stammen). Neben einigen neuen Waffen, die vor allem auf Wucht setzen – was schert sich ein Untoter groß um Schnitte, die seinen Körper an sich nicht zerstören? –, gibt es auch Tipps zum Umgang mit den Untoten. Wer mit dem Gedanken spielt, eine Kampagne mit solchen als Spielercharakteren zu machen, wird enttäuscht feststellen, dass diese Möglichkeit nicht unterstützt wird.

Lebende wiederum haben in der Stadt (offiziell) wenig Einfluss, was die an sich interessanten Möglichkeiten vor Ort für Spieler etwas einschränkt. Zudem fehlt, für die wenigen in der Stadt aufgewachsenen Sterblichen eine entsprechende Kultur. Hier muss entweder selbst eine entworfen oder aus einem Nachbarreich, wahrscheinlich Zhoujiang, verwendet werden. Dafür gibt es ein paar Ausbildungsvarianten, darunter die Reiter der Schlaflosen als Kundschafter, die vor den Stadtmauern Probleme für die Bewohner lösen.

Um Esmoda kennenzulernen, liegt auch ein entsprechendes Abenteuer bei. Dieses schickt die Gruppe im Auftrag einer Händlerin in die Stadt, um mit einem Rechtsgelehrten auch die Originalabschrift eines Testaments ihrer Mutter zu finden, die sie statt ihrer Schwester begünstigen soll. Dabei kommen die Spieler mit verschiedenen Gruppen in der Stadt in Kontakt. Schön ist, dass unterschiedliche Vorgehensweisen und Fähigkeiten möglich sind. Zudem werden die handelnden Protagonisten nicht einfach böse oder gut dargestellt, sondern differenzierter dargestellt. Außerdem gibt es noch eine Wendung, die dieses vermeintlich klare Abenteuer zusätzlich im Gedächtnis der Spieler verankern dürfte.

Wegen Einschränkungen bei spielbaren Charakteren gibt es 4 Sterne.

 

Fazit

Esmoda ist sicher einer der ungewöhnlichsten, aber auch interessantesten Spielplätze auf Lorakis. Die Beschreibung bietet viele Anknüpfungsmöglichkeiten für eigene Ideen. Bei der Charaktererschaffung wurde mit dem Verzicht auf Untoten-Spielercharaktere aber eine kleine Chance vertan.

Am Ende haben sich die Untoten trotzdem 16 von 20 Sterne geholt.

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