Klassiker-Rezension: Portal und Portal 2 – Auf der Suche nach dem Kuchen

Valve ist eine Firma, die für viele Klassiker der Videospiele verantwortlich zeichnet. Neben der unvollendeten Half-Life-Serie zählt dazu auch die Portal-Reihe. Ob sich heute noch ein Ausflug in das Knobelpiel lohnt, lest ihr jetzt.

 

Portal/Portal 2

Publisher und Studio: Valve

Erscheinungsjahr: 2007/2011

Preis bei Steam: 8,19 Euro/16,79 Euro

 

Grafik

Portal eins erschien 2007 zusammen mit Half-Life 2 Episode 2 und Team Fortress in der sogenannten Orange Box. Zum Spielen wird ein Steam-Konto benötigt. Die Grafik beruht auf der Source-Engine die schon Half-Life 2 Leben einhauchte. Texturen, Animationen, Licht- und Wassereffekte reißen heute keine Bäume mehr aus. Dafür ist die Optik erstaunlich gut gealtert.

Vermutlich liegt das an den Umgebungen. Wie bei Half-Life ist das Spiel in einzelne Levels unterteilt. Diese finden sich in einer unterirdischen Testanlage, die im Stil moderner Großunternehmen in überschaubaren, klinischen Farben gehalten ist. Neben den Testkammern gibt es noch die Ebene dahinter, wo die klinische saubere Umgebung schmucklosen Treppen und Produktionsanlagen weicht. Dadurch wird wiederum der klinisch-saubere Eindruck der Testkammern ab absurdum geführt.

Typisches Rätsel in Portal 1: Die Energiekugel rechts muss in einen Energiegenerator (links unten) umgeleitet werden.

Portal 2 setzt dieses Design fort, variiert die Umgebungen aber stärker. Neben Kammern im Stil der 50er Jahre mit Holzvertäfelungen gibt es teils kaputte und später chaotisch zusammengesetzte Umgebungen. Zwar sind einige Level hier größer, aber abgesehen vom Anfang fehlen Pflanzen. Die Oberfläche kommt nur im Abspann kurz vor. Dennoch profitiert die Fortsetzung von den unterschiedlicheren Umgebungen.

Für Portal 1 springen noch 3 Sterne raus, für 2 sogar 4.

 

Sound

Musik wird in beiden Spielen spärlich eingesetzt und ähnelt den Stücken in Half-Life. In der Fortsetzung wird sie intensiver, wenn der Spieler der Lösung näher kommt, und variiert auch stärker. Wie in Half-Life ist der Avatar des Spielers stumm. Dafür reden die Gegner – schick designte Geschütztürme – und die Antagonistin Glados. Die KI fällt vor allem durch ihre sarkastischen Kommentare auf.

In Teil zwei wurden die Monologe ausgebaut und durch einen weiteren KI-Begleiter sogar zu einigen Gesprächen ausgebaut. Dazu kommen alte Sprachaufzeichnungen des früheren CEO der Testkammer-Firma, die wunderbar das moderne Firmensprech von Großkonzernen auf die Schippe nehmen. Da der Spieler nicht antworten kann, gibt es aber keine Interaktion mit der KI. Zudem bleiben die Sprecher über weite Strecken stumm. Beides schmälert den Wiederspielwert.

Bei beiden Spielen gibt es 3 Sterne.

 

Geschichte und Welt

Handlungsort ist ein unterirdischer Firmenkomplex, der in einzelne Versuchslabore unterteilt ist. Die Spielfigur Chell ist eine Frau, deren Vergangenheit im Dunkeln liegt. Während des Spiels zeigt die KI Glados immer mehr ihre zynisch-sarkastische Seite und versucht sogar, Chell umzubringen. Und der Kuchen, den Glados in Aussicht stellt, taucht gar nicht auf! Teil zwei folgt dem Ende seines Vorgängers. Hier ist der Testkomplex zunächst kaputt und überwuchert. Durch ein Missgeschick erwacht Glados und baut die Anlage wieder auf. Später wird ihr Platz von einer anderen KI eingenommen. Genau wie Glados, versucht diese, Testkammern zu bauen. Diese sind allerdings chaotisch.

Erst einfärben, dann springen: In Portal 2 kleistert der Spieler einige Level mit Sprunggel zu.

Viele Cutscenes direkt in der Spielgrafik erfolgen eine großartige Atmosphäre. Besonders der Twist in der Mitte des Spiels dürfte jedem Spieler im Gedächtnis haften bleiben. Allerdings bleibt die Welt größtenteils steril und leer. Und obwohl manche Testkammern groß genug sind, um ganzen Türmen Platz zu bieten, bleibt ihr Umfang überschaubar. Zwischendurch gibt es dafür immer wieder Gelegenheit,versteckte Räume aufzustöbern, wo andere Tester ihre wirren Kommentare hinterlassen haben. Leider wird die Hintergrundgeschichte um die Anlage nur angerissen. Das dürfte nicht jeden Geschmack treffen.

Daher reicht es nur für 3 Sterne.

 

Gameplay

Portal ist ein Rätselspiel. Es geht darum, den Ausgang aus Testkammern zu finden. Dazu steht dem Spieler seine namensgebende Portalkanone bereit. Damit kann er zunächst einen Ausgang zu einem schon vorhandenen, anderen Portal im Level erschaffen. Dadurch entsteht eine Verbindung, durch die er gehen, springen oder fallen kann. Dabei bleibt die Geschwindigkeit der Bewegung erhalten. So lassen sich Abgründe überwinden, Schalter erreichen und Türen aktivieren. Später in Portal eins und früh in Portal zwei gibt es die Zwei-Wege-Portalkanone, die je einen Ein- und Ausgang erschafft. Portale können nur auf weißen Flächen errichtet werden.

Zudem kommen bald weitere Elemente hinzu. So müssen Schalter betätigt werden, damit der Ausgang aufgeht und sich Plattformen heben oder senken. Da viele Schalter aber wieder ausgehen, wenn die Spielfigur diese verlässt, existieren Würfel, die sich darauf stellen lassen. Der Companion Cube hat sogar kleine Herzchen auf seinen Seiten. Später müssen noch Energiekugeln umgeleitet und Selbstschussanlagen umgangen oder ausgeschaltet werden. Da es nur die Portalkanone und keine echten Waffen gibt, ist also Knobeln angesagt.

In späteren Testkammern von Portal 2 müssen gewaltige Abgründe überwunden werden. Die Kartoffel ist übrigens ein alter Bekannter.

In Portal zwei kommen noch mehr Elemente dazu. Würfel mit Spiegeln erlauben es, Laserstrahlen umzuleiten, während Lichtbrücken dank der Portale passend ausgerichtet werden, um damit über Abgründe zu schweben. Sprunggel funktioniert wie ein Trampolin, mit dem sich Böden und Wände bespritzen lassen, während Laufgel die Geschwindigkeit steigert. Ein weiteres Gel erschafft neue Flächen für Portale. Wichtig in beiden Teilen ist das richtige Timing. Einige Schalter bleiben nicht dauerhaft aktiviert, und ohne eine rechtzeitig umgeleitete Lichtbrücke droht der Sturz in den Tod.

Das Knobeln macht Spaß, auch wenn eine gewisse Frustresistenz vorhanden sein sollte. Unterschiedliche Lösungswege oder verschiedene Interaktionsmöglichkeiten gibt es nicht. Am Ende läuft es stets darauf hinaus, auf eine bestimmte Weise die nächste Tür zu öffnen oder dahin zu gelangen. Das schmälert den Wiederspielwert. Dafür gibt es in Teil zwei einen Koop-Modus für zwei Spieler und eigene Testkammern der Community.

Das starke Gameplay holt 4 Sterne raus.

 

Fazit

Wer gerne Rätsel löst und verschiedene Elemente kreativ miteinander verbinden will, findet in den Portal-Spielen eine schöne Spielwiese. Das Design und die zynischen Kommentare von Glados verbreiten auch heute noch Atmosphäre. Eine umfangreiche Geschichte oder offene Welt sind nicht vorhanden. Auch der Soundtrack mit seiner eher technischen Ausrüstung dürfte nicht jedem gefallen. Tipp: Am besten auf die nächste Rabattaktion für den Kauf warten.

Portal holt sich 13 Sterne, sein Nachfolger sogar 14.

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