Rezension: Wege der Vereinigungen – Der Rest

Nach der Rezension der beiden Abenteuer-Bände zu Wege der Vereinigungen folgt heute ein Blick in die letzten Zusatzbände Lustschlösser und Zauberwesen und Kurtisanen und Bordelle. Zudem nehme ich das Zusatzmaterial unter die Lupe.

 

Ein Cover ist neu, das andere von Wege der Vereinigungen abgewandelt.

 

Lustschlösser und Zauberwesen

Seiten: 36

Preis: als Teil des Crowdfunding-Paketes, einzeln als eBook 5,99 Euro, gedruckt 11,95 Euro

 

Kurtisanen und Bordelle

Seiten: 49

Preis: als Teil des Crowdfunding-Paketes, einzeln als eBook 8,99 Euro, gedruckt 14,95 Euro

 

Lustschlösser und Zauberwesen

Dieses Buch behandelt zum einen verschiedene magische Wesen, die mit dem Thema Sex zu tun haben. Dazu gehören Feen wie Dryaden, die an Bäume gebunden sind und gern Menschen oder andere Sterbliche verführen, Rosendschinne als seltene Variante der Humuswesen, aber auch der Khelevatan. Wem der satyrgestaltige, viergehörnte Dämon noch nicht hart genug ist, findet auch die Shaz-Man-Yat als noch gefährlichere Wiedersachserin mit Werten. Auch die von ihr erschaffenen Lamijanim als Sex-Vampire und deren ehemals oronische Diener werden beschrieben. Einige weitere Wesen finden sich im Hauptbuch. Insgesamt bleibt deren Zahl aber überschaubar, eine große Zahl verschiedener Wesen fehlt ebenso, wie einige generelle Angaben, darunter zum Umgang von Feen mit Sex.

Dryaden gehören wohl zu den bekanntesten Feen – nicht nur wegen ihren sexuellen Aktivitäten.

Außerdem werden unterschiedliche Schauplätze vorgestellt, an denen Sex passieren kann. Dazu gehört ein aranisches Rahja-Kloster, dessen Geweihte erstaunlicherweise sparsam mit Sex umgehen, da sie diesen als besonders wertvoll erachten und die Gabe der Göttin nicht vergeuden wollen. Auch ein nie fertiggestelltes Lustschloss der Kaiserwitwe Alara Paligan von Gareth und ein horasisches Lustschloss werden beschrieben. Zu jedem Ort gibt es ein paar Szenario-Ideen. Leider sind sich die beiden Schlösser recht ähnlich, die Abwechslung leidet daher etwas.

Ein kleines Kapitel befasst sich mit Vorteilen, die eine Abstammung von Djinnen oder verschiedenen Feen kennzeichnen. Das auf teilweise dämonische Abstammung und Nachteile verzichtet wurde, finde ich schade, zumal auch Lustdämonen beschrieben werden. Zudem ist der Nutzen der Vorteile begrenzt. Viele sind nur mit den Optionalregeln zu Sex aus Wege der Vereinigungen einsetzbar. Andere bringen auch Nachteile mit sich, die den Vorteil oft wieder aufwiegen. Trotzdem kosten die Vorteile Punkte. So gibt der Vorteil Dschinnenblut zwar plus zwei auf die Regeneration von Lebenspunkten, wenn der Charakter auf dem Boden schläft. Dafür ist die Haut empfindlich gegenüber allen Waffen mit Klingen oder Spitzen. Die richten immer einen TP mehr an.

 

Kurtisanen und Bordelle

Der zweite Band widmet sich dem Thema Prostitution. Die Unterschiede zwischen einem Besuch im Rahja-Tempel und einem Bordell werden beschrieben. Dieses Thema ist bereits Teil von Wege der Vereinigungen, daher dürften Lesern hier Überschneidungen auffallen. Danach folgen sechs Beispiel-Prostituierte und Stricher. Neben den üblichen Verdächtigen wie der horasischen Kurtisane und einer tulamidischen Tänzerin sticht hier klar der brillantzwergische Kavalier hervor. Mit einer Würfeltabelle lassen sich Zufalls-Liebesdiener schnell auswürfeln.

Wer kann diesem zwergischen Kavalier widerstehen?

Die Stadt Belhanka im Horasreich beherbergt den wichtigsten Rahja-Tempel Aventuriens und wird ausführlich mit Karte und wichtigen Personen beschrieben. Die Stadt ist eine Republik, entsprechend gibt es regelmäßig irgendwelche Wahlen für Ämter. Zudem stehen dort die Höfe der Abendröte, berühmte Kurtisanen-Schulen. Deren Schülerinnen werden nicht nur in Liebesdingen, sondern je nach Hof auch anderen Künsten wie Wahrsagung oder Heilkunst unterrichtet. Da die Ausbildung an sich allerdings keine übernatürliche Variante kennt, dürften viele Spieler um die Profession einen Bogen machen – übernatürliche Heilung hat beispielsweise ganz andere Möglichkeiten als profane Vorgehensweisen.

Vier Abenteuervorschläge mit groben Handlungsrahmen runden das Buch ab. So gilt es, einen Rahjatempel beziehungsweise dessen Bewohner in Aranien vor Ferkinas zu schützen, oder eine Orgie in Al’Anfa auszurichten. Während der Tempel dem Rahja-Kloster aus Lustschlösser und Zauberwesen schon von seiner Lage her ähnelt, erinnert die Planung an ein Abenteuer aus den Abenteuer-Bänden zu Wege der Vereinigungen Sie dürften damit Spielern, die diese Inhalte gespielt haben, recht bekannt vorkommen, Zudem stellt die Planung plötzlich Orgien-Punkte samt neuer Mechanik vor, um diese zu gewinnen. Damit wird neben den ausführlichen Sexregeln aus Wege der Vereinigungen noch eine Regelmechanik eingeführt, um Geschlechtsverkehr zu handhaben.

Orgien-Punkte gibt es für bestimmte Aktionen. Gleichzeitig ist aber auch Betäubung damit verbunden. Ohne hohe Werte in Selbstbeherrschung ist daher schnell Schluss. Dafür gibt es je nach Punktzahl Belohnungen wie einen Trefferpunkt mehr, wenn ein Gegenstand aus der Orgie als improvisierte Waffe gehandhabt wird. Oder verzückende Belohnungen, wie sie für die Sex-Regeln aus dem Hauptbuch vergeben werden. Es funktioniert meiner Meinung nach aber nicht, hier noch eine neue Regelmechanik einzuführen, die dann wiederum teilweise auf die Belohnungen der anderen zugreift. Zudem werden nur drei Orgienspiele vorgestellt, was die Auswahl doch etwas einschränkt.

Belhanka wird ausführlich beschrieben.

Im dritten Abenteuervorschlag müssen die Helden einer Hexe helfen, die versehentlich für ein sexuelles Verbrechen angeklagt wird. Das bedeutet Detektivarbeit in Gareth. Beim vierten Vorschlag wiederum stößt die Gruppe auf den Zirkus einer Schelmin im Svellttal, die allerhand mehr oder weniger erotische Kuriositäten ausstellt. Die entscheidende Frage ist aber, wie ein Besucher ums Leben kam, der jetzt im Zirkus verwest.

Eine Kurzbeschreibung der schelmischen Zauberei und zwei Schelmenzauber werden ebenfalls vorgestellt, um die Schelmin als Meister zum Leben zu erwecken. Dieses Abenteuer lebt aber von seinem kuriosen Ansatz, eine Prise Humor mit Absurditäten und einem Todesfall zu vermischen. Die beiden Vorschläge sind brauchbar, das Schelmenabenteuer auch besonders unerwartet sowohl vom Ansatz als auch vom Schauplatz her.

Alle Vorschläge sind nur angerissen, mit ein paar Seiten zu Charakteren, Orten und dem groben Handlungsablauf. Ein Meister muss daher noch einigen Aufwand reinstecken, bevor daraus echte Abenteuer werden. Für ein Zwischenspiel, wenn die Gruppe in der Gegend ist, sind sie gut geeignet. Eine eigene Anreise dafür lohnt meiner Ansicht nach aber kaum. Dafür ergänzen sie die nur auf Belhanka beschränkten Abenteuer-Bände. Mit ein paar Anpassungen dürften sie auch fast überall spielen können.

 

Spielleiterschirm-Einlagen und Karten

Zudem wird das Paket aus dem Crowdfunding noch um eine Sammlung Kurzgeschichten ergänzt, die ich allerdings noch nicht gelesen habe. Einlagen für Universal-Spielleiterschirme bieten passende Cover und Übersichten zu den Sex-Regeln. Wie viele Gruppen dieses Angebot wahrnehmen, bleibt aber zweifelhaft. Dasselbe gilt für Liebesmarker, die Zustande wie Erregung nach den Sex-Regeln anzeigen. Auch für Karten mit Zufallsereignissen für Liebesakte trifft dies zu. Praktischer sind da Lesezeichen mit erotischen Charakteren und ein Wende-Poster mit den schicken Covern der Abenteuer-Bände.

 

Die Verarbeitung in Printform

Bei den gedruckten Varianten des Crowdfunding-Paketes fällt deren hohe Qualität ins Auge. So sind die Zusatzbände in jenem Druckverfahren hergestellt, wo einzelne Bildelemente wie Schriftzüge oder Figuren auf dem Cover als fühlbare Erhebung hervorstechen. Warum aber einige Bände nicht eingeschweißt kommen und andere schon, bleibt wohl Ulisses Geheimnis. Dass der Einband von Wege der Vereinigungen schlicht in Schwarz mit einem Hinweis ab 18 daherkommt, scheint mir ebenfalls unsinnig. Falls Ulisses das eigentliche Cover für die Druckversion zu freizügig war, hätte sich der angedeutete Nippel der Frau oder deren Gesäß durch Kleidung zensieren lassen – eine Methode, die schon bei der Sixtinischen Kapelle zum Einsatz kam.

 

Fazit

Die beiden Bände über Wesen und Orte einerseits, die mit Lust zu tun haben, und Prostitution andererseits sind eine nette Ergänzung zum Hauptbuch – mehr aber nicht. Dafür ist die Auswahl an Infos zu begrenzt, viele schon in anderen Publikationen wie Wege der Vereinigungen selbst zu finden oder schlicht viele Inhalte wie Örtlichkeiten ähneln sich zu sehr. Karten, Zustandsmarker und Spielleiterschirm-Einlagen sind kleine Gimmicks, die aber ohne Benutzung der Sex-Regeln kaum zu gebrauchen sind.

Zudem erscheinen mir die Preise, gerade für den Bordell-Band, etwas hoch gegriffen. Immerhin handelt es sich nicht um Luxus-Ausführungen mit Leder-Einbänden.

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