Game of Thrones – ein moderner Mythos vor dem Abschluss

Neben den großen Klassikern der fantastischen Literatur kommen immer wieder neue Bestseller auf den Markt. Einer davon ist die Reihe „Das Lied von Feuer und Eis“. Vielen sind nicht die vielen tausend Seiten starken Bücher, sondern nur die darauf beruhende Fernsehserie Game of Thrones bekannt. Wer Game of Thrones bei Google eingibt, bekommt 446 Millionen Suchergebnisse angezeigt. Längst hat das Franchise die Grenzen der Nerd-Szene überwunden, ist zu einem Massenphänomen geworden. Die Fans stricken allerhand Theorien zusammen, wie die Serie ausgeht.

Montag beginnt die achte und letzte Staffel. Was macht die Faszination dieses Werks aus?

 

Die Geschichte

Im Grunde werden zwei Hauptgeschichten miteinander verwoben. Immer wieder heiß läuft der Konflikt zwischen verschiedenen Adelsfamilien im fiktiven Königreich Westeros. Die wahre Bedrohung, die sich im Hintergrund entwickelt, ist aber die drohende Invasion einer gewaltigen Armee von Eisleichen aus dem ewigen Eis. Diese beiden Plots spielen ineinander hinein. Geschildert wird die Geschichte dabei aus der Sichtweise einzelner Protagonisten. Die empfinden sich selbst nicht als schlecht, was dazu beiträgt, dass kein bekanntes Gut-Böse-Schema aufkommt. Auch heldenhafte Charaktere sind manchmal grausam, oder durch die Umstände zu harten Entscheidungen gezwungen.

Werden Jon Snow und Daenerys Targaryen zusammen Westeros regieren? Alle Bilder von Helen Sloan/HBO.

Zugleich wachsen die Charaktere einem ans Herz. Wie es weitergeht mit den Sympathieträgern und den verabscheuten Gestalten hält Rezipienten bei der Stange. Am Ende des Tages geht es darum, wie Gier und Egoismus eine ganze Gesellschaft in den Abgrund stürzt.

 

Die Bücher

Seinen Anfang nahm das Franchise 1996 mit dem Titel „A Game of Thrones“, in Deutschland 1997 und 1998 mit der in zwei Bände unterteilten deutschen Ausgabe. Auch die folgenden Ausgaben sind hierzulande vor allem in Form der zweigeteilten Übersetzungen verbreitet, weniger in der von Ulisses Medien herausgegebenen 1:1-Übersetzung. Während die ersten drei Bände der englischen Ausgabe binnen vier Jahren erschienen, dauerte es bis zum vierten Buch allein fünf Jahre, bis zum fünften und bisher letzten sogar sechs. Von einer Zweiteilung von eigentlich zusammen gehörigen Büchern (oder Filmen) kann natürlich jeder halten, was er will.

Autor der Werke ist George Raymond Richard Martin. Vorher schrieb und produzierte er kleinere Serien, Bücher, Drehbücher oder Episoden, unter anderem für die Twilight Zone. Also eher ein Name für Insider – bis zu seinem Erfolg mit etwa 48 Jahren durch die neue Reihe. Dabei verfolgt Martin deutlich erkennbar einen dunklen Einschlag für seine fiktive Welt, die etwa auf dem Stand des Mittelalters zu verorten ist.

Cersei Baratheon/Lennister, in der Serie von Lena Headey gespielt, ist wohl die am meisten gehasste Person in Westeros.

Wahrnehmbar sind neben Anleihen bei Tolkien – epische Schlachten, eine Welt mit umfangreicher Geschichte – auch solche an die Dune-Reihe: Leute mit blau leuchtenden Augen und übernatürlichen Kräften, ein Orden weiser Gelehrter, die sich befehdende Adelige beraten, Intrigenspiele und auch der Tod wichtiger und sympathischer Charaktere. Martin kann in diesem Punkt sehr kompromisslos sein, wie die unter Fans berüchtigte „Rote Hochzeit“ zeigt.

Allerdings torpediert Martin für meinen Geschmack sich selbst. Einerseits stirbt ein Protagonist der Bücher erst sicher, wenn sein Tod von Außenstehenden beschrieben wird (ausgenommen die Handelnden der Pro- und Epiloge). Auch wenn das bis dahin gern anders dargestellt wird, indem zum Beispiel alles schwarz wird für den Charakter. Andererseits tauchen später Priester auf, die einzelne Personen wieder zum Leben erwecken. Und viele Protagonisten hält Martin fast durchgängig am Leben. Das kann als Fanservice gesehen werden – oder als Bruch mit der klassischen Dramatik, wo nach dem Höhepunkt der Tod und nicht eine erniedrigende Gefangenschaft folgt.

Zudem ist Martins Welt nur bedingt kreativ. Eine Low-Fantasy-Welt mit wenig Magie und fast nur Menschen, in der ein düsterer und stellenweise realistischerer Einschlag vorhanden ist, ist keine Erfindung des Amerikaners. Was Martin jedoch beherrscht, ist die einzelnen Versatzstücke zu einem komplexen Gesamtgewebe zu vereinen. Wer sich durch die vielen Namen und einige längere Reisepassagen liest, versteht nach und nach, wie umfangreich jeder mit jedem zusammenhängt. Und ergibt sich ein reichhaltiges Gesamtbild, ein Verstehen, wie die Welt funktioniert. Dafür gebührt Martin Respekt. Ebenso für seine Schreibkunst.

Also eine klare Leseempfehlung von mir, aber nur für geduldige Leser.

 

Die Serie

Die Serie von HBO dürfte eine weitere Verbreitung haben als die Bücher. Für die Adaption vor der Kamera werden viele Figuren gestrichen, der Plot stellenweise gekürzt und vereinfacht und stärker als in den Büchern auf Kämpfe stellenweise Sex zugespitzt. Es ist vermutlich den amerikanischen Zensurvorstellungen und Quotenstreben vorzuschreiben, dass gerade weibliche Charaktere dabei öfters und auch mal komplett nackt gezeigt werden. Ich finde das schade, da es mehr den Beigeschmack des Vorführens statt der einfachen Präsenz von Sex hat.

Es wäre aber zu einfach, die Serie nur auf nackte Haut und Gewalt zu reduzieren. Tatsächlich schaffen es die Darsteller, ihren Figuren einen eigenen Charakter aufzudrücken. Maisie Williams als abgebrühte Arya Stark macht dabei trotz ihres jungen Alters (Jahrgang 1997) eine ebenso gute Figur wie Lena Headey als eiskalte Intrigantin Cersei Baratheon/Lennister oder Christopher „Kit“ Harrington als Held Jon Schnee – jedenfalls soweit das Franchise Helden hergibt.

Maisie Williams als Arya Stark entwickelt sich im Verlauf der Handlung zu einer richtig abgebrühten Figur.

Was man der Serie ebenso wenig vorwerfen kann, ist die Qualität der Effekte. Die Untoten sehen zum Fürchten aus, die Drachen sind Urgewalten, die so gefährlich wie mächtig sind. Für die seltenen, aber imposanten und kompromisslosen Schlachten gilt dasselbe. Auch die Landschaftsaufnahmen und Kulissen vermitteln das Gefühl, in einer echten Welt unterwegs zu sein, und nicht in einer Inszenierung.

Das macht die Faszination der Serie aus.

***

Wie geht die Geschichte zu Ende? Ab Montag wissen wir es. Doch danach – so George R.R. Martin nicht vorher stirbt – erwarten uns noch die beiden letzten Bücher. Ganz zu schweigen von Vorgeschichten und Spin-offs. Und das Fans noch lange nach dem Ende über das Franchise sprechen werden, scheint klar.

 

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4 Gedanken zu “Game of Thrones – ein moderner Mythos vor dem Abschluss

  1. Was mich an der Serie so gefesselt hatte bzw. immer noch fesselt, es gibt keine wirklichen Helden. Tauchen in der 1. Staffel auch und überstehen anstandslos jegliche Wiedrigkeit.
    Ist ja kaum noch jemand übrig… und die es sind, wurden gezeichnet durch diverse Schicksalsschläge. Das macht die Serie spannend.
    Die Schlachten und die recht geniale CGI tun ihren Rest dazu. Ich werde GoT sehr vermissen und bin nicht überzeugt, dass diese möglichen Spin Offs etc. wirklich was taugen.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Review: Game of Thrones – ein enttäuschendes Finale? – Sternenwanderer

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