Review: Game of Thrones – ein enttäuschendes Finale?

Diese Woche ist Game of Thrones mit seiner achten Staffel als eine der beliebtesten und bekanntesten Serien der Gegenwart zu Ende gegangen. Doch die Fans sind gespalten. War die Staffel jetzt ein würdiger Abschluss – oder eine große Enttäuschung?

 

Die Ausgangslage

2011 begann die Ausstrahlung der Serie nach der beliebten Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“. Im Zentrum steht dabei der Kampf um dem Thron des Reiches Westeros auf einer fiktiven Welt. Passend dazu legt Autor George R.R. Martin die Beziehungen zwischen Figuren und das Intrigenspiel in den Mittelpunkt. Die Welt, die dem zugrunde liegt, ist nicht unbedingt sehr kreativ, besitzt aber einen umfangreichen, ausgearbeiteten und gut verzahnten Hintergrund. Das ist der Handlung auch anzumerken. Irgendwie ist jeder mit jedem verbunden, die Behandlung einer Person hat Auswirkungen auf andere Gruppen.

War das Budget und damit die Ausstattung der Serie zunächst vergleichsweise überschaubar, steigerte sich der Aufwand im Verlauf der Jahre. In der letzten Staffel hatten einige Folgen einen Aufwand, der Action-Blockbustern aus Hollywood entspricht. Zeitgleich überholte die Serie jedoch den Handlungsbogen der Bücher, da nach dem Serienstart keine neuen Bände erschienen sind. Das machte sich in den oft vereinfachten Entwicklungen bemerkbar. Das Intrigenspiel nahm stetig ab, Figuren wurden flacher und weniger komplex.

Angesichts dieser Ausgangslage war die Frage, ob die Serie die hohen Erwartungen an ihr Ende erfüllen würde. Die Antwort ist…Nun ja, komplexer als die Handlung.

 

Die achte Staffel

Die Entscheidung, die Staffel nur mit sechs Folgen auszustatten, passt zum Trend. Bis Staffel sechs waren es je zehn, in der siebten nur sieben. Die ersten beiden Folgen waren der Vorlauf zum finalen Kampf gegen die Untoten – ein Handlungsstrang, der in den Büchern und der Serie vom Start weg langsam aufgebaut wurde. Obwohl einige schöne Momente vorkommen, passiert in beiden Episoden nicht viel.

In der dritten Folge kommt es schließlich zur großen Auseinandersetzung mit den Untoten. Hierbei zeigt sich ein Problem der gesamten Staffel: Während Effekte und Bildsprache episch und umwerfend ausfallen, machen viele Entscheidungen der Charaktere oder wie etwas mit ihnen passiert nicht viel Sinn. Der Schlachtplan setzt die Vernichtung ganzer Truppenteile ohne große Erfolgsaussichten voraus.

Zudem erzielen Jon Snow, immerhin am ehesten der Held der Geschichte, und Bran, der geistig Tiere kontrollieren und sich an fast jeden Ort in Westeros heute oder in der Vergangenheit versetzen kann, keinen Erfolg. Was bei Jon immerhin noch mit der chaotischen Schlacht gerechtfertigt werden kann, wirkt bei Bran seltsam. Immerhin wurde sein Charakter vorher als fast allwissender Weiser aufgebaut. Dafür ist der finale Sieg gegen die Untoten durch Aryas Einsatz äußerst befriedigend.

Arya Stark hat vielleicht den stärksten Moment der Serie erhalten.

Noch stärker ein Bekenntnis gegen Logik zeigt sich in Folge vier und fünf. Während in Nummer vier einer der beiden letzten Drachen im Flug hoch am Himmel abgeschossen wird – weil mal wieder niemand vorher Kundschafter ausgeschickt hat -, vernichtet Daenerys in der nächsten Folge mit ihrem letzten Ungeheuer die Flotte ihrer Feinde im Alleingang.

Dass die Drachenkönigin dann auch nach der Kapitulation ihrer Feinde weitermacht und Königsmund komplett zerstört, wirkt dazu recht gewollt. Verständlich ist, dass sie es nicht mag, dass Jon – ein möglicher Konkurrent um den Eisernen Thron – in Westeros beliebter ist als sie. Allerdings hat Daenerys überhaupt nichts getan, um die Zustimmung der Bewohner zu gewinnen. Brot für die Armen? Land an Günstlinge verteilen? Gab es nicht.

Dass Arya zudem kurz vor ihrem Ziel, Cersei zu ermorden, durch ein paar simple Worte des Bluthundes zur Umkehr bewogen wird, wirkt ebenso gekünstelt. Auf der positiven Seite wird diesmal immerhin gezeigt, wie sehr die einfachen Leute unter den Streitigkeiten um den Thron leiden. Sonst ist das Volk in der Serie ja nur Beiständer, um Adlige anzugreifen oder auszuschimpfen.

Auch drei Charakterenden hinterlassen den Eindruck, dass Chancen auf der Strecke bleiben. Da ist zum einen der Kampf zwischen dem Bluthund und dem Berg. Der hat mich relativ kalt gelassen. Vielleicht fehlt dem Kampf die Wucht, oder er ist zu kurz. Oder es ist die Tatsache, dass der Berg in diesem Kampf total übermächtig ist – und sein Bruder eigentlich keine Chance gegen ihn hat.

Ähnlich verhält es sich mit Jamies Ende. Er stirbt zusammen mit Cersei. Die Theorie, dass er sie umbringt, bewahrheitet sich damit nicht. Für die Entwicklung, die Jamie bis dahin durchmachte, erscheint es simpel, dass er am Ende einfach wieder zu seiner Schwester zurückgeht. Cersei wiederum, bis dato ziemlich heimtückisch, versucht nicht mal, Daenerys noch etwas entgegen zu setzen.

Auch die letzte Folge setzt diese Trends fort. Daenerys will zwar die „Ketten“ sprengen. Dies aber darauf zu beschränken, dass sie „Königin der Könige“ wird, finde ich zu einfach. Hier fehlt die philosophische Auseinandersetzung, was sie damit meint. Dass der Drache statt Jon, der Daenerys schließlich recht banal tötet, den Thron einschmilzt, attestiert dem Tier eine Intelligenz, die viele Menschen vermissen lassen.

Macht eigentlich nur noch Daenerys in Staffel acht wütend und sonst nichts: Cersei Lennister.

Und das Bran – ein in weiten Teilen von Westeros unbeschriebenes Blatt – König wird, wirkt auch befremdlich. Ebenso wie die Ernennung von Bron zum Meister der Münze. Zumindest innerhalb der kurzen Zeit, die diese Staffel hat. Trotz Verrat und Ermordung der Königin kommt der Rest erstaunlich gut weg. Immerhin werden am Ende Jon und Ghost wieder vereint.

 

Reinfall oder stimmiges Ende?

Am Ende bleibt die Frage, ob die Staffel einen würdigen Abschluss für die Serie bildet. Auf der einen Seite stehen die Effekte und die aufwendige Inszenierung, die viele ansehnliche Bilder erschafft. Dem wird aber nur allzu bereitwillig die Logik geopfert. Ebenso wirken einige Entwicklungen überhastet und seltsam.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass mit etwas mehr Zeit und gutem Willen mehr drin gewesen wäre.

Ein Gedanke zu “Review: Game of Thrones – ein enttäuschendes Finale?

  1. Es wäre weitaus mehr drin gewesen. Viel Zeit wurde mit sinnlosem Gerede verplempert.
    Andersherum macht das Ende eben auch Platz für mindestens drei Spin Offs… und ich denke, das war auch der Hintergedanke bei der letzten Folge.

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